Vorgelesen von einer synthetischen Stimme, etwa 2 Min.

Ein satirischer Kurzfilm über die Arbeitsweise reißerischer Online-Medien im Umgang mit einem Vermisstenfall wird derzeit im Kontext einer Kontroverse um investigativen Journalismus diskutiert. Im Mittelpunkt der Produktion, die in einem YouTube-Video kommentiert und eingeordnet wird, steht eine fiktive Redaktion namens „True News“. Sie nutzt den Fall einer verschwundenen jungen Frau namens Vanessa für maximale Klickzahlen.
Der Film zeigt, wie Redaktionsmitglieder gezielt nach Bildmaterial suchen, das Emotionen erzeugen soll, und dabei ethische Grenzen überschreiten. Eine Journalistin wird beauftragt, den Fall zu recherchieren, wobei sie nach Aussehen und vermeintlicher Wirkung auf das Publikum ausgewählt wird. Die Redaktionsmitarbeiter durchsuchen den Müll des mutmaßlichen Freundes der Vermissten, eines Pflegers mit Migrationshintergrund, um belastendes Material zu finden. Einen blutigen Slip, den sie dabei entdecken, entlarvt der Film später als Beweisstück, das ein Fotograf platziert hat. Die Verantwortlichen verschweigen dieses Detail bewusst, um die Geschichte weiterzuverfolgen.
Eskalation und tragischer Ausgang
Im Verlauf der Handlung wird der Verdächtige öffentlich bloßgestellt, unter anderem durch die Konfrontation mit seiner sexuellen Orientierung und seiner Herkunft. Am Rande des Geschehens treten Personen auf, die der Film als rechtsextrem beziehungsweise wutbürgerlich charakterisiert und die den Verdächtigen bedrängen. Die Situation eskaliert schließlich in einer gewaltsamen Konfrontation, bei der sowohl der Verdächtige als auch die vermisste junge Frau ums Leben kommen.
Der Kommentator des Videos ordnet den Kurzfilm als Kritik an reißerischer Berichterstattung ein und bringt ihn mit realen Medienhäusern in Verbindung. Im Video wird zudem eine fiktive Talkshow mit dem Namen „Klartext Mikesner“ gezeigt, die den Fall nachträglich aufgreift und einordnet. Am Ende des Films wird deutlich, dass die Redaktion bereits während der Berichterstattung wusste, dass der Verdächtige unschuldig war, die Information jedoch zurückhielt, um die Geschichte fortzusetzen.
Der Kommentator selbst ordnet das gezeigte Material als Kritik am Boulevardjournalismus und dessen Umgang mit Vermisstenfällen sowie mit Vorurteilen gegenüber Migranten ein, ohne die im Film gezeigten Redaktionen mit einem konkreten realen Sender gleichzusetzen.
Originalbeitrag von Tim Kellner


