
Bei einer Schießerei in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sind sechs Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben soll ein 45-jähriger Mann das Feuer eröffnet haben, nachdem es zuvor zu einem Sorgerechtsstreit mit seiner Partnerin gekommen war. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen erlassen. Nach SPIEGEL-Informationen soll der Mann zuvor sein drei Monate altes Kind geschüttelt haben, weshalb ihm das Sorgerecht entzogen worden war; die Mutter blieb gemeinsam mit dem Kind in der betroffenen Einrichtung untergebracht.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall wegen der Rolle einer 65-jährigen Frau aus Bremen, die als Patentante des Kindes und langjährig in der Flüchtlingshilfe engagierte Person beschrieben wird. Nach Angaben des NDR soll sie am Steuer des Fluchtfahrzeugs gesessen haben, mit dem der mutmaßliche Täter nach der Tat flüchtete. Die Polizei ermittelt gegen sie wegen einer möglichen Tatbeteiligung. Wenige Tage vor den Tötungen hatte die Frau nach Recherchen des NDR ein rund 20-seitiges Schreiben mit dem Titel „Chronologie eines Albtraums – Der Fall Amaya“ an verschiedene Medienhäuser geschickt, in dem sie Klinik und Jugendamt schwere Vorwürfe machte und die Eltern als zu Unrecht der Misshandlung beschuldigt darstellte. Hinweise auf eine bevorstehende Gewalttat enthielt das Dokument nach NDR-Angaben nicht. Auf eine Anfrage reagierte die Frau demnach nicht. Sie wurde zwischenzeitlich festgenommen, kam später aber wieder auf freien Fuß.
Reaktionen und Einordnungen
Das Magazin COMPACT griff den Fall in einer eigenen Sendung auf und kritisierte scharf das Verhalten der mutmaßlichen Fluchtwagenfahrerin sowie die Berichterstattung großer Medien über die Tat. Die Moderatoren warfen unter anderem dem ZDF und dem „Tagesspiegel“ vor, den Fall zunächst nur nachrangig behandelt zu haben, und äußerten scharfe Kritik an Politik und sogenannten Altparteien im Zusammenhang mit dem Fall. Zugleich verwiesen sie auf Äußerungen des Psychologen Ahmad Mansur, der in einem Interview mit der „Welt“ erklärt hatte, bei migrantischen Familien bestehe häufig eine besonders große Angst vor dem Jugendamt, insbesondere dort, wo patriarchalische Strukturen und Gewalt als Erziehungsmittel verbreitet seien.
Die „taz“ berichtete, dass nach den Schüssen in Stade auch politische Reaktionen folgten; die Zeitung wirft in ihrer Berichterstattung der AfD vor, den Fall für eigene politische Zwecke zu nutzen. Nach Polizeiangaben wurden im Zusammenhang mit der Tat mehrere Tatverdächtige festgenommen. Der genaue Ablauf des Geschehens sowie das Verhältnis zwischen dem mutmaßlichen Täter und der Fahrerin des Fluchtwagens sind bislang nicht vollständig geklärt; die Ermittlungen dauern an.
Video-Beschreibung
Vom Sorgerechtsstreit zum Blutbad: 6 Menschen sind gestorben und eine Migrantenhelferin soll den Fluchtwagen gefahren haben. Was ist konkret geschehen und welche Verbindungen wurden bisher aufgedeckt? Dr. Stephanie Elsässer und Dominik Reichert haben alle erschreckenden Informationen zusammengetragen.
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