
An einer Gesamtschule im nordrhein-westfälischen Kleve ist ein Streit um das Essen während des Ramadan öffentlich geworden. Eine Mutter, in Medienberichten als Mirijam M. bezeichnet, wandte sich mit ihrer Schilderung an die BILD-Zeitung: Muslimische Mitschüler hätten ihrer Tochter und deren Freundin gesagt, sie müssten wegen des Ramadan ihr Pausenbrot wegwerfen. Als die Mädchen sich daraufhin an einen Lehrer wandten, habe dieser empfohlen, sich beim Essen wegzudrehen.
Nach Angaben der Mutter kontaktierte sie die Schule umgehend über den Messengerdienst Schulmanager. Die Klassenlehrerin antwortete laut einer BILD vorliegenden Korrespondenz, man habe gemeinsam besprochen, dass Essen und Trinken in den Pausen weiterhin erlaubt sei, nicht fastende Kinder aber nicht provozieren sollten. Im Idealfall sollten sich Kinder beim Essen oder Nichtessen gegenseitig nicht beobachten, sodass die Regel des Wegdrehens für alle gelte.
Einladung zum Fastenbrechen
Nach Aussage zweier Mütter gab es an der Schule bislang keine gemeinsame Weihnachtsfeier. Am 27. Februar sei jedoch per Rundschreiben zu einem gemeinsamen Iftar, dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang während des Ramadan, eingeladen worden. Das nordrhein-westfälische Schulministerium erklärte dazu, Grundlage des Schullebens an allen Schulen im Land sei ein respektvolles Miteinander. Man nehme die geschilderten Vorwürfe ernst, der Sachverhalt müsse aufgeklärt werden. Die zuständige Schulaufsicht stehe bereits mit der Schule in Kontakt und prüfe die Angelegenheit.
Ein ähnlicher Fall wurde laut WELT TV aus einer Oberschule im Berliner Bezirk Neukölln bekannt. Dort seien Eltern per Rundschreiben darüber informiert worden, dass eine siebte Klasse zur Teilnahme an einem Fastenbrechen verpflichtet werden sollte, verbunden mit dem Ausfall regulären Unterrichts. Nicht muslimische Eltern kritisierten demnach, dass christliche Feiertage wie Weihnachten oder Ostern an der Schule gar nicht gefeiert würden.
Druck unter Schülern in Mönchengladbach
Die Rheinische Post berichtete zudem über die Situation an Schulen in Mönchengladbach, wo Muslime und Christen zeitgleich Fastenzeiten begehen. Die Bezirksschülersprecherin Amina Hadj Mohamed vom Stiftischen Humanistischen Gymnasium beschrieb den Umgang an ihrer Schule grundsätzlich als tolerant, räumte aber ein, dass es „blöde Sprüche“ gebe. Ruth Reinartz, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), berichtete, dass muslimische Schüler untereinander teils Druck ausübten, wenn sich jemand nicht streng an die Regeln des Ramadan halte. Der Leiter des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster, Mouhanad Khorchide, wurde von der Katholischen Nachrichten-Agentur mit der Aussage zitiert, manche männliche Jugendliche missverstünden den Ramadan als Demonstration von Stärke und übten eine Art „Religionspolizei“ gegenüber Mitschülern aus. Reinartz betonte zugleich, Nachfragen zum Fasten seien nicht zwangsläufig Ausdruck von Druck, sondern könnten auch Interesse widerspiegeln.
Originalbeitrag von Boris von Morgenstern


