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MDR Zeitreise: Enteignungen in der DDR

Veröffentlicht am 3. April 20252 Min. Lesezeit437 Wörter

Historische MDR-Dokumentation über Enteignungen und Zwangskollektivierung bei den 'Genossen' in der DDR. Einblicke in die sozialistische Planwirtschaft und ihre Folgen.

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Die Sendung MDR Zeitreise beleuchtet die Enteignungen und Verstaatlichungen von Privatunternehmen in der DDR und deren langfristige Folgen für ostdeutsche Familienunternehmen. Im Zentrum steht die Geschichte der Familie Hermann aus Sonneberg in Thüringen, die 1920 mit Max Hermann die Firma für Plüschtiere und Teddybären gründete. Das Unternehmen unter der Marke Maheso erlangte internationale Bekanntheit, unter anderem mit Kunden in England und Schweden.

Angesichts der drohenden Verstaatlichung entschied sich die Familie Hermann Anfang der 1950er Jahre zur Flucht in den Westen. Sie ließen Werkstatt, Maschinen und Waren zurück und gründeten die Firma im bayerischen Coburg neu. Ein Teil der Familie, der in Sonneberg verblieben war und eine eigene Puppenfabrik betrieb, verlor diese 1972 im Zuge einer weiteren Verstaatlichungswelle; der Betrieb wurde in den volkseigenen Betrieb Sonni integriert. Martin Hermann, Nachkomme der geflohenen Familienlinie, berichtet in der Sendung von der emotionalen Belastung dieser Entscheidung sowie von der bis heute spürbaren thüringischen Prägung seines Vaters, der zeitlebens Bindung an die verlorene Heimat behielt.

Historischer Hintergrund der Verstaatlichung

Nach Kriegsende 1945 wurden zunächst als „faschistisch belastet“ eingestufte Betriebe enteignet und in sowjetische Aktiengesellschaften überführt, die 1954 in volkseigene Betriebe umgewandelt wurden. Der Wirtschaftshistoriker André Steiner vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam erläutert, dass die SED-Führung ein Wirtschaftsmodell nach sowjetischem Vorbild mit zentraler Planwirtschaft anstrebte, in dem privates Eigentum an Produktionsmitteln grundsätzlich nicht vorgesehen war. Der Druck auf verbliebene Privatunternehmer erfolgte zunächst indirekt durch verschärfte Steuervorschriften und ein exzessiv genutztes Wirtschaftsstrafrecht, mit dem unternehmerisches Handeln kriminalisiert wurde.

Als Beispiel nennt die Sendung die Erfurter Saatgutfirma N.L. Chrestensen, deren Inhaber Niels Chrestensen 1953 wegen angeblicher Steuervergehen zeitweise inhaftiert wurde. Fehlende Rohstoffzuteilungen zwangen ihn später zu einer staatlichen Beteiligung an seinem Unternehmen. Bis Anfang der 1960er Jahre gaben laut Sendung rund 4500 Inhaber unter diesem Druck nach und verkauften Anteile ihrer Firmen an den Staat. Nach dem Mauerbau 1961 ließ der Druck auf verbliebene Privatbetriebe zunächst nach, da diese oft Waren für den Export herstellten, die von den großen volkseigenen Kombinaten nicht produziert wurden.

Neue Verstaatlichungswelle unter Honecker

Mit dem Machtantritt Erich Honeckers 1971 kam es zu einer erneuten, umfassenden Verstaatlichungswelle, die etwa 11.000 verbliebene Betriebe erfasste. Nach Einschätzung Steiners zielte diese Politik darauf ab, die Sozialisierung der Wirtschaft endgültig abzuschließen und zusätzliche Ressourcen zu erschließen, ohne die wirtschaftlichen Folgen ausreichend zu bedenken. Da die betroffenen privaten und halbstaatlichen Betriebe überwiegend Konsumgüter des täglichen Bedarfs herstellten, führte die Verstaatlichung in der Folge zu Engpässen etwa bei Spielzeug, Verpackungen und Schreibwaren.

Die Sendung ordnet die bis heute bestehende Struktur der ostdeutschen Wirtschaft mit überwiegend kleinen und mittleren Betrieben sowie wenigen großen Industriezentren – etwa im Chemiedreieck Bitterfeld-Wolfen oder der Automobilindustrie in Thüringen und Leipzig – auch als mögliche Folge dieser jahrzehntelangen Verstaatlichungspolitik ein.

Originalbeitrag von Wissen-Doku-Info

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