Martin Sonneborn, Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic und Europaabgeordneter der Partei, erinnerte bei einem öffentlichen Auftritt daran, wie sein Magazin in der Vergangenheit politische Spitznamen geprägt hat. Nach eigenen Angaben verhalf die Redaktion bereits Helmut Kohl zu seinem bekannten Spitznamen "Birne" und hielt ihn "mit 80 Titelbildern an der Macht".
Nun sieht Sonneborn eine ähnliche Gelegenheit bei Friedrich Merz, sollte dieser erneut als Kanzlerkandidat der CDU antreten. Der Satiriker bezeichnete Merz als "Supertyp" und verwies auf dessen Verbindung zu den Cum-Ex-Geschäften als Qualifikation für die "kaputte CDU". Eine Kanzlerkandidatur von Merz würde nach Sonneborns Einschätzung die Sozialdemokratie befördern und deren "lustigen Todeskampf" hinauszögern.
Der Ursprung des von Sonneborn verwendeten Spitznamens für Merz geht auf einen Artikel der Titanic aus dem Jahr 2000 zurück. Damals hatte Merz der Bild-Zeitung erzählt, er sei früher ein "Revoluzzer" gewesen, der mit langen Haaren und ohne Helm Mofa gefahren sei. Die Titanic schickte daraufhin Reporter ins Sauerland, um Merz' Herkunft zu erkunden. Der daraus entstandene Artikel war nach Sonneborns Darstellung so langweilig, dass er als Chefredakteur einen erfundenen Satz als Überschrift verwendete.
Die Geschichte nahm eine unerwartete Wendung, als die Redaktion später beim Ausprobieren vermeintlich nicht existierender Internetadressen feststellte, dass eine entsprechende Domain tatsächlich auf Merz' offizielle Website weiterleitete. Sonneborn zeigte sich beeindruckt von dieser technischen Lösung und schrieb darüber im Editorial. Dies führte zu einem Anwaltsanruf und der Bitte, die Verlinkung zu entfernen. Gleichzeitig erfuhr die Redaktion, dass Kollegen im Bundestag Merz bereits hinter seinem Rücken mit diesem Spitznamen bezeichneten.
Originalbeitrag von Martin Sonneborn


