Bei der gestrigen ZDF-Sendung "Klartext" sind offenbar nicht alle Bürgerfragen so spontan entstanden, wie es den Zuschauern vermittelt wurde. Ein Teilnehmer der Livesendung berichtet nun von einem aufwendigen Auswahlverfahren und Eingriffen der Redaktion in die Fragestellung. David aus Berlin war als Fragesteller vorgesehen, kam aber letztendlich nicht zu Wort.
Nach eigenen Angaben wurde David über persönliche Kontakte zum ZDF für die Sendung ausgewählt. In mehreren längeren Telefonaten und Nachrichten habe die Redaktion detaillierte Informationen über seine Person, politische Einstellung und Wahlverhalten abgefragt. Ursprünglich wollte er CDU-Chef Friedrich Merz zur Migrationspolitik befragen, konkret zu geplanten Abschiebungen über die 42.000 unmittelbar ausreisepflichtigen Personen hinaus. Diese Frage sei zunächst akzeptiert worden.
Einen Tag später erhielt David jedoch eine Absage per E-Mail. Die Redaktion begründete dies damit, ihn vor einem möglichen "Shitstorm" schützen zu wollen. Nach erneutem Kontakt und dem Hinweis auf seine Herkunft aus Aschaffenburg - wo kürzlich ein Anschlag stattgefunden hatte - wurde ihm doch wieder eine Teilnahme angeboten. Allerdings sollte er nun eine völlig andere Frage stellen, die sich mit Merz' Fünf-Punkte-Plan und dessen Umsetzbarkeit im europäischen Kontext beschäftige. Diese Frage sei ihm von der Redaktion per Nachricht vorgegeben worden.
David beschreibt das Studio als hochorganisiert mit festen Platzverteilungen und Namensschildern. Freie Plätze seien kurz vor Sendungsbeginn mit jungen Menschen, vermutlich Studenten, aufgefüllt worden. Das Publikum sei sehr jung und seiner Einschätzung nach überwiegend linksgrün orientiert gewesen, was sich auch im Applausverhalten während der Sendung gezeigt habe. Trotz seiner Teilnahme kam David nicht zu Wort und konnte seine ursprüngliche Frage nicht stellen. Seine Erfahrungen werfen Fragen zur Authentizität von Bürgerbeteiligungsformaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf.
Originalbeitrag von MMnewsTV

