
In Gießen ist es am vergangenen Wochenende im Zuge von Protesten gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation zu erheblichen Ausschreitungen gekommen. Auslöser waren Blockadeaktionen des Bündnisses „Widersetzen“ und der Gruppe „Studenten gegen rechts“, die verhindern wollten, dass Delegierte die Veranstaltungshalle erreichen. Ein Reporter von NIUS begleitete die Vorbereitungen und die Anreise der Aktivisten verdeckt und berichtet über Ablauf und Struktur der Proteste.
Der Recherche zufolge nahm der Journalist zunächst an einem sogenannten Aktionstraining von „Widersetzen Berlin“ an der Freien Universität Berlin teil, bei dem Teilnehmer auf mögliche Ermittlungsverfahren und den Umgang mit Polizeigewahrsam vorbereitet wurden. Die Organisatoren bezeichneten ihr Vorgehen als „zivilen Ungehorsam“. Anschließend reiste er mit rund tausend weiteren Aktivisten in Bussen von Berlin nach Gießen. Nach eigenen Angaben herrschte während der rund achtstündigen Fahrt eine strikte Alkohol- und Drogenverbotspolitik, zudem wurden Antifa-Aufkleber und Warnwesten ausgegeben. Ein sogenanntes Awareness-Team habe zudem auf einen geschlechtsneutralen Sprachgebrauch geachtet.
Blockaden und Ausschreitungen
Nach Angaben des Berichts sollen insgesamt rund 250 Busse aus verschiedenen Teilen Deutschlands nach Gießen gefahren sein. In den frühen Morgenstunden blockierten demnach zahlreiche Aktivisten Autobahnabschnitte im Umfeld der Stadt, um die Anreise der AfD-Delegierten zu verhindern. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Mehrere Delegierte, darunter auch Vertreter der Berliner AfD, gerieten laut Bericht in bedrängte Situationen; ein Bundestagsabgeordneter der Partei erlitt nach eigenen Angaben eine Kopfverletzung und eine geschwollene Nase. Die Polizei stellte den Angaben zufolge mehr als 200 Identitäten fest und erstattete drei Anzeigen gegen Demonstrationsteilnehmer.
Der später gewählte Vorsitzende der neuen AfD-Jugendorganisation, Jean Pascal Hom, kritisierte in einem Statement vor Ort, dass über die Ausschreitungen aus seiner Sicht in etablierten Medien kaum berichtet worden sei. Er bezweifelte zudem, dass die Gegendemonstranten insgesamt als demokratisch einzuordnen seien, und verwies auf ein aus seiner Sicht unverhältnismäßiges Kräfteverhältnis zwischen Parteitagsteilnehmern und Gegendemonstranten.
Parteitag mit Verspätung
Der Parteitag, der ursprünglich gegen 10 Uhr beginnen sollte, startete den Angaben zufolge erst gegen 12 Uhr, nachdem die Polizei die blockierten Zufahrtswege freigeräumt hatte. Im Verlauf der Veranstaltung wurde Jean Pascal Hom mit mehr als 90 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der neuen Jugendorganisation gewählt, die künftig unter dem Namen „Generation Deutschland“ auftritt. Der Bericht endet mit dem Hinweis, dass Parteitage nach dem Parteiengesetz alle zwei Jahre stattfinden müssen und damit auch künftige Proteste der Antifa-Szene zu erwarten seien.
Originalbeitrag von NIUS


