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Meinungsfreiheit und Cancel Culture - Julian Reichelt

Veröffentlicht am 18. August 20254 Min. Lesezeit852 Wörter

Julian Reichelt hielt am 26. Juni 2025 einen Vortrag über „Meinungsfreiheit und Cancel Culture“. Er betonte, dass die aktuellen Medienlandschaften und staatliche Akteure die Meinungsfreiheit gefährden und dass Menschen Angst haben, ihre Meinungen zu äußern. Reichelt kritisierte die subtile Zensur und den Einfluss ideologischer Begriffe, die zu einer Einschränkung des Diskurses führen. Er sah einen Kollaps der Medien als Hauptursache für den Verlust an Meinungsfreiheit und warnte vor autoritären Tendenzen in der Gesellschaft. Reichelt argumentierte, dass ohne Meinungsfreiheit die Demokratie bedroht sei und die Menschen in eine Art Knechtschaft geraten.

Video

Julian Reichelt hat am 26. Juni 2025 im Rahmen des Forums Wissenschaft, Wirtschaft und Politik einen Vortrag zum Thema Meinungsfreiheit und sogenannte Cancel Culture gehalten. Der ehemalige Bild-Chefredakteur, der heute das Medienportal Nius leitet, vertrat darin die These, dass sich die gesellschaftliche Auseinandersetzung um Meinungsfreiheit in Deutschland zunehmend zugunsten kritischer, nicht-etablierter Medien verschiebe. Er bezog sich dabei auf eigene Erfahrungen mit seinem Medienunternehmen, das nach eigenen Angaben monatlich rund neun Millionen Nutzer erreiche.

Reichelt kritisierte in seinem Vortrag die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland sowie deren Finanzierung durch Rundfunkbeiträge. Er warf etablierten Politikern vor, gemachte Versprechen – etwa zur Senkung der Stromsteuer oder zum Verzicht auf neue Schulden – nicht einzuhalten, und stellte dies journalistischer Aufklärungsarbeit gegenüber, die politische Aussagen mit tatsächlichem Regierungshandeln vergleiche.

Einen größeren Teil des Vortrags widmete er einem Bericht über die Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz zu US-Präsident Donald Trump ins Oval Office. Nach Reichelts Darstellung habe der Kanzler zunächst nicht gewollt, dass ein Nius-Journalist die Delegation begleitet; erst nach einer direkten Anfrage bei US-Seite sei dessen Teilnahme ermöglicht worden. Reichelt beschrieb den Ablauf des Pressetermins im Oval Office, bei dem Journalisten nach seiner Schilderung Fragen direkt an den Präsidenten richten konnten, und deutete dies als Ausdruck einer offeneren Umgangsweise mit Medien im Vergleich zu deutschen Gepflogenheiten.

Der Vortrag war Teil einer größeren Veranstaltungsreihe zu Themen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Video-Beschreibung

Meinungsfreiheit und Cancel Culture

„Wer gegen Meinungsfreiheit vorgeht, will Menschen in die Knechtschaft treiben“

Vortrag von: Julian Reichelt

Im Rahmen des Forums Wissenschaft, Wirtschaft und Politik am 26. Juni 2025

Julian Reichelt begann seinen Vortrag zum Thema „Meinungsfreiheit und Cancel Culture“ mit dem Satz „Wir gewinnen die gesellschaftliche Auseinandersetzung“. Damit war der positive Rahmen gesetzt. Reichelt führte aus, dass sich die geschlossenen Medienlandschaften mit Öffentlich-Rechtlichem Rundfunk und Mainstream-Medien als Irrweg erwiesen habe. Stattdessen erlebten Reichelt und seine führenden Journalisten bei jeder Reise durch Deutschland Wertschätzung. Die neuen Medien seien so zur „Befreiungsbewegung“ geworden.

Woher diese Perzeption über die neuen Medien kommt, warum und wodurch Meinungsfreiheit in Deutschland unter starkem Druck steht, was die Einschränkung von Meinungsfreiheit mit Bürgern, Gesellschaft und Demokratie macht und welche Rolle die neuen Medien darin spielen können, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, darüber referierte Julian Reichelt ausführlich. Auch flocht er ein paar Anekdoten darüber ein, wie er selbst Cancel Culture erlebt hat.

Im Gegensatz zu den Ausführungen von Prof. Ferdinand Kirchof an selbiger Stelle im April sieht Reichelt die Meinungsfreiheit auch durch staatliche Akteure angegriffen. Menschen fühlten sich nicht mehr frei, ihre Meinung zu äußern, wenn sie damit rechnen müssten, dass wegen Meinungsdelikten morgens eine Hausdurchsuchung ansteht, wie zuletzt in der Woche des Vortrags bundesweit geschehen. Besonders perfide sei die Beschlagnahmung des Mobiltelefons, das heutzutage viele Funktionen des bürgerlichen und privaten Lebens ermöglicht. Noch perfider sei, dass Staatsanwälte ganz offen damit kokettierten, dass Ermittlungsmaßnahmen strafenden Charakter hätten, wie zuletzt ersichtlich in einer Dokumentation des US-Sender CBS.

Reichelt wies darauf hin, dass die Einschränkung der Meinungsfreiheit in Knechtschaft und Dummheit führt. Ohne die Meinungsfreiheit seien Menschen Sklaven: Der freie Wille endet, damit endet die Demokratie, Menschen können sich nicht mehr wehren und auch nicht auf die grundgesetzlich garantierte Menschenwürde hinweisen. Nicht Gewaltenteilung sei der wichtigste Faktor der Demokratie, sondern Meinungsfreiheit, die dafür sorge, dass Macht kontrolliert werde.

Fehlt es an Meinungsfreiheit, dann stiegen die Dummen, Fanatischen auf. Ideologie mache sich unhinterfragt breit und auch skurrile Konzepte würden nicht mehr hinterfragt. Nur so ließe sich erklären, dass Themen wie Energiewende, Corona und Immigration mit erschreckender Unkenntnis verbreitet würden und Kritik an ihr nicht mehr stattfinde.

Nicht offenkundige Zensur sei das Mittel der Wahl zur Einengung des Sagbaren, sondern subtile Machtergreifung der Sprache. Mit Begriffen wie „Klimaleugner“ würden Assoziationsketten intendiert, die vom „Leugner“ zu „rechts“, von „rechts“ zu „rechtsextrem“, und von „rechtsextrem zu „gewalttätig“ und „mörderisch“ hinführen sollten. Weitere Beispiele seien der Gebrauch des Possessivpronomens von „Demokratie“ zu „Unsere Demokratie“ und das Voranstellung von „Die“ vor „Wissenschaft“. Beides verkehrten die ursprünglich sinnvollen und positiv besetzten Begriffe in ihr Gegenteil.

Als Hauptgrund für den Verlust an Meinungsfreiheit sieht Reichelt einen Kollaps der Medien. Das größte Problem sei ein mit zehn Milliarden jährlich finanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk und staatlich finanzierte politische Vorfeldorganisationen („NGOs“). Da Macht stets korrumpiert und den Charakter nicht immer zum Vorteil formt, habe sich nach der Bundestagswahl 2021 das neue Phänomen gezeigt, dass die Hauptstadtjournalisten sich als Wahlsieger empfunden hätten. In der Folge hätten sie sich gerade in der Covid-Zeit gemeinsam mit der Regierung gegen die Grundrechte der Bevölkerung verschworen. Reichelt wies darauf hin, dass die Presselandschaft vor der Bundestagswahl 2025 Friedrich Merz stark bekämpft habe, die Kritik aber nach der Amtseinführung verstummt sei. Dies wertete Reichelt als ein Anzeichen für die Komplizenschaft zwischen Politik und Medien.

Auch wäre die neue Bundesregierung stark in Versuchung, das Spiel mitzuspielen. „Machtkritik nervt die Mächtigen“, und auch wenn die Grenze zum Totalitarismus noch nicht überschritten sei, hätte die Gesellschaft in vielen Politikfeldern autoritäre Züge angenommen.

Als Indiz nannte Reichelt die Weigerung der Bundeskanzleramts, Ralf Schuler von NIUS zum Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz beim amerikanischen Präsidenten mitzunehmen. Es stehe auch einem Bundeskanzler nicht zu, gefällige von weniger gefälligen Journalisten zu unterscheiden. Bei offiziellen Terminen würden aber ...

Weiter im Text unter:

Originalbeitrag von FWP - Forum Wissenschaft, Wirtschaft & Politik

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