
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat nach Darstellung des Journalisten Boris Reitschuster eine Wahlniederlage erlitten, bei der die Opposition unter Péter Magyar eine Zweidrittelmehrheit erreicht habe. Reitschuster kommentierte in einem Video auf seiner Website die Berichterstattung deutscher Medien über den Ausgang der Wahl und übte daran Kritik.
Nach seiner Einschätzung widerspreche der Wahlausgang der jahrelangen Darstellung deutscher Medien, wonach Ungarn unter Orbán eine Diktatur oder ein autokratisch geführtes Land ohne funktionierende Demokratie gewesen sei. Wenn die Opposition mit einer Zweidrittelmehrheit habe gewinnen können, spreche dies gegen diese Einordnung, so Reitschuster.
Einordnung von Magyar
Reitschuster kritisierte zudem, dass in der Berichterstattung nach seiner Beobachtung kaum erwähnt werde, dass der Oppositionsführer Magyar selbst ein konservativer Politiker sei. Magyar bezeichne sich selbst als konservativ und rechts stehend, seine Partei sei im Europaparlament Mitglied der Europäischen Volkspartei. Im Wahlkampf sei diese Positionierung nach außen etwas abgeschwächt worden, etwa durch Bezeichnungen wie „Mitte“ oder „Mitte-rechts“. Reitschuster vertrat die Auffassung, dass Medien diesen Umstand nicht ausreichend deutlich gemacht hätten, weil es dem Bild widerspreche, wonach mit Magyar eine linke Alternative zu Orbán angetreten sei. Zugleich äußerte er Kritik an einer aus seiner Sicht vergleichbaren Vereinfachung in alternativen Medien, die den Wahlausgang teilweise als Ergebnis eines „EU-Komplotts“ darstellten.
Bewertung Orbáns
Reitschuster beschrieb seine Sicht auf Orbán als differenziert. Er würdigte, dass Orbán in vielen Bereichen eine konservative, bürgerliche Politik verfolgt und sich gegenüber der EU in Brüssel kritisch positioniert habe. Gleichzeitig verwies er auf Kritikpunkte wie Vetternwirtschaft und bezeichnete Orbán nicht als „Musterdemokraten“. Er erinnerte zudem an dessen politische Entwicklung von einem früheren Funktionär der kommunistischen Jugendorganisation über eine Zeit größerer Distanz zu Russlands Präsident Wladimir Putin bis zu seiner heutigen außenpolitischen Ausrichtung. Reitschuster betonte, seine Ausführungen seien seine persönliche, subjektive Einschätzung und kein Anspruch auf abschließende fachliche Bewertung der Lage in Ungarn.
Originalbeitrag von Boris Reitschuster


