Die Verbrechen der SED: Mauertote, Stasi-Terror und das Erbe in der Partei Die Linke
Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) regierte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) von 1949 bis 1989 als alleinherrschende Staatspartei. In diesen vier Jahrzehnten beging das Regime systematische Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung: politische Verfolgung, Inhaftierung Andersdenkender, Zwangsadoptionen, Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze und flächendeckende Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi). Mindestens 140 Menschen starben allein an der Berliner Mauer bei dem Versuch, in die Freiheit zu gelangen.
Dieser Beitrag dokumentiert die Verbrechen der SED gegen die Bevölkerung, erinnert an die Opfer der Berliner Mauer, beschreibt das System der Stasi-Überwachung und zeichnet den direkten organisatorischen Weg von der SED zur heutigen Partei Die Linke nach.
Die systematischen Verbrechen der SED gegen die Bevölkerung
Die SED errichtete einen totalitären Staat, in dem grundlegende Menschenrechte systematisch verletzt wurden. Die Verbrechen umfassten:
Politische Verfolgung und Inhaftierung
Zwischen 1949 und 1989 wurden schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Menschen aus politischen Gründen in der DDR inhaftiert. Die berüchtigten Haftanstalten — darunter Bautzen, Hohenschönhausen und Brandenburg — waren Orte systematischer psychischer und physischer Folter. Häftlinge wurden in Isolationshaft gehalten, Schlafentzug ausgesetzt und durch permanente Verhöre zermürbt.
Der Schießbefehl an der Grenze
Die SED-Führung erteilte den Grenzposten den Befehl, auf Flüchtende zu schießen. Obwohl die DDR-Führung die Existenz eines formellen Schießbefehls stets leugnete, dokumentierten interne Akten klare Anweisungen, Grenzverletzer „zu vernichten". Mindestens 140 Menschen wurden an der Berliner Mauer getötet, hunderte weitere an der innerdeutschen Grenze.
Zwangsadoptionen
Politisch missliebigen Eltern wurden ihre Kinder entzogen und zur Zwangsadoption freigegeben. Die Betroffenen erfuhren oft erst nach der Wiedervereinigung von ihrem Schicksal. Schätzungen gehen von mehreren hundert Fällen aus.
Zwangsumsiedlungen
Im Rahmen der „Aktion Ungeziefer" (1952) und der „Aktion Festigung" (1961) wurden tausende Menschen aus dem Grenzgebiet zwangsumgesiedelt. Familien verloren über Nacht ihr Zuhause, ihren Besitz und ihre Existenzgrundlage.
Doping im Leistungssport
Das staatlich organisierte Dopingprogramm „Staatsplanthema 14.25" zwang tausende Sportler — darunter Minderjährige — zur Einnahme leistungssteigernder Substanzen ohne deren Wissen oder Einwilligung. Viele Betroffene leiden bis heute an schweren gesundheitlichen Folgen.
Die Toten an der Berliner Mauer — Gedenken an die Opfer
Zwischen dem Mauerbau am 13. August 1961 und dem Mauerfall am 9. November 1989 starben mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer. Die Forschungsgruppe der Gedenkstätte Berliner Mauer am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam hat die Schicksale dieser Menschen minutiös dokumentiert. Im Folgenden erinnern wir an viele dieser Opfer:
1961 — Das Jahr des Mauerbaus
Ida Siekmann (22. August 1961) — Ida Siekmann war eines der ersten Opfer der Berliner Mauer. Die 58-Jährige sprang aus dem Fenster ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 48 im dritten Stock, um nach West-Berlin zu gelangen. Sie erlag noch am selben Tag ihren schweren Verletzungen. Ihr Haus stand direkt an der Sektorengrenze — die Fenster zur Freiheit waren bereits zugemauert worden.
Günter Litfin (24. August 1961) — Günter Litfin war der erste Mensch, der an der Berliner Mauer erschossen wurde. Der 24-jährige Schneider versuchte, durch den Humboldthafen nahe dem Lehrter Bahnhof nach West-Berlin zu schwimmen. Transportpolizisten eröffneten das Feuer und trafen ihn tödlich. Sein Bruder Jürgen widmete sein Leben dem Gedenken und richtete eine Gedenkstätte an der ehemaligen Grenzanlage ein.
Roland Hoff (29. August 1961) — Der 27-jährige Roland Hoff ertrank bei seinem Fluchtversuch durch die Spree. Er wurde von Strömung und Erschöpfung überwältigt, als er versuchte, schwimmend die Westsektoren zu erreichen.
Rudolf Urban (17. September 1961) — Rudolf Urban sprang aus seiner Wohnung in der Bernauer Straße, als die Grenzpolizei seine Fenster zumauerte. Der 47-Jährige überlebte den Sprung zunächst, erlag jedoch wenige Wochen später seinen schweren inneren Verletzungen.
Olga Segler (26. September 1961) — Die 80-jährige Olga Segler stürzte beim Versuch, aus einem Fenster an der Bernauer Straße zu springen, in den Tod. Sie ist eines der ältesten Opfer der Berliner Mauer und symbolisiert die Verzweiflung, die der Mauerbau bei den Menschen in Ost-Berlin auslöste.
Bernd Lünser (4. Oktober 1961) — Der 22-jährige Student Bernd Lünser fiel beim Fluchtversuch über die Dächer der Bernauer Straße in den Tod. Er hatte versucht, über das Dach eines Grenzhauses nach West-Berlin zu gelangen, verlor den Halt und stürzte ab.
Udo Düllick (5. Oktober 1961) — Udo Düllick ertrank im Alter von 25 Jahren bei seinem Fluchtversuch durch die Spree in Treptow. Grenzposten hatten auf ihn geschossen, als er ins Wasser sprang. Ob er durch die Schüsse oder durch Ertrinken starb, ist nicht eindeutig geklärt.
Werner Probst (14. Oktober 1961) — Der 25-jährige Werner Probst wurde beim Versuch, die Spree zu durchschwimmen, von Grenzposten erschossen. Er wurde im Wasser getroffen und trieb leblos ab. Erst Tage später konnte sein Leichnam geborgen werden.
Dieter Wohlfahrt (9. Dezember 1961) — Der 20-jährige österreichische Student Dieter Wohlfahrt war als Fluchthelfer aktiv und half DDR-Bürgern bei der Flucht. An der Grenze in Staaken wurde er von Grenzposten erschossen, als er den Stacheldraht durchtrennte, um eine ältere Frau in den Westen zu bringen. Er verblutete im Grenzstreifen, ohne dass ihm geholfen wurde.
Ingo Krüger (11. Dezember 1961) — Der 21-jährige Ingo Krüger versuchte, durch den Teltowkanal nach West-Berlin zu tauchen. Er wurde vermutlich von der Strömung mitgerissen und ertrank. Seine Leiche wurde erst Tage später gefunden.
1962 — Das blutigste Jahr
Dorit Schmiel (19. Februar 1962) — Die 25-jährige Dorit Schmiel wurde an der Grenze in Treptow beim Fluchtversuch erschossen. Sie wollte über den Grenzstreifen klettern und wurde von mehreren Schüssen tödlich getroffen.
Heinz Jercha (27. März 1962) — Heinz Jercha war ein 27-jähriger Fluchthelfer aus West-Berlin, der beim Versuch, Menschen durch einen Tunnel zu schleusen, von DDR-Grenzern angeschossen wurde. Er erlag seinen Verletzungen.
Philipp Held (8. April 1962) — Der Fluchthelfer Philipp Held wurde im Alter von nur 20 Jahren erschossen, als er versuchte, am Teltowkanal DDR-Bürgern zur Flucht zu verhelfen. Er wurde von Grenzposten entdeckt und unter Beschuss genommen.
Peter Fechter (17. August 1962) — Der Fall von Peter Fechter wurde zur Ikone des Kalten Krieges. Der 18-jährige Maurerlehrling versuchte gemeinsam mit einem Freund, die Mauer in der Zimmerstraße nahe dem Checkpoint Charlie zu überklettern. Während sein Freund es schaffte, wurde Fechter von Grenzposten angeschossen und fiel auf der Ostseite der Mauer zu Boden. Vor den Augen der entsetzten West-Berliner Bevölkerung und Journalisten verblutete er qualvoll im Todesstreifen. Weder DDR-Grenzsoldaten noch westliche Soldaten halfen ihm. Erst nach fast einer Stunde wurde sein lebloser Körper von DDR-Grenzern geborgen. Sein Tod löste weltweit Empörung aus.
Ernst Mundt (4. September 1962) — Der 40-jährige Ernst Mundt wurde an der Berliner Mauer erschossen. Er versuchte, in der Nähe des Invalidenfriedhofs die Grenzanlagen zu überwinden, und wurde von Grenzposten tödlich getroffen.
Anton Walzer (8. Oktober 1962) — Der 38-jährige Anton Walzer wurde beim Fluchtversuch an der Mauer in Pankow von Grenzposten erschossen. Er hinterließ eine Familie in Ost-Berlin.
Horst Plischke (19. November 1962) — Horst Plischke wurde nur 23 Jahre alt. Er wurde an der Berliner Mauer erschossen, als er versuchte, die Grenzanlagen zu überwinden.
Otfried Reck (27. November 1962) — Der 17-jährige Otfried Reck war eines der jüngsten Opfer der Berliner Mauer. Er wurde beim Fluchtversuch von Grenzposten erschossen.
1963–1965
Peter Kreitlow (24. Januar 1963) — Der 23-jährige Peter Kreitlow wurde an der Mauer in Treptow erschossen. Trotz seiner Jugend hatte er sich entschlossen, das Risiko auf sich zu nehmen, um in Freiheit zu leben.
Peter Mädler (26. April 1963) — Peter Mädler wurde im Alter von nur 19 Jahren beim Versuch, die Sperranlagen zu überwinden, erschossen. Er starb noch an der Grenze.
Klaus Schröter (4. November 1963) — Der 20-jährige Volkspolizist Klaus Schröter nutzte seinen Dienst an der Grenze, um selbst zu fliehen. Er wurde von seinen eigenen Kameraden erschossen, als er über die Mauer kletterte.
Paul Schultz (25. Dezember 1963) — Am Weihnachtstag 1963 wurde der 18-jährige Paul Schultz beim Fluchtversuch durch den Teltowkanal von Grenzposten erschossen. Sein Tod am Fest der Nächstenliebe erschütterte die Öffentlichkeit.
Walter Hayn (27. Februar 1964) — Walter Hayn war 30 Jahre alt, als er an der Grenze in Treptow erschossen wurde. Er versuchte, den Grenzstreifen zu überqueren.
Adolf Philipp (5. Mai 1964) — Der 28-jährige Adolf Philipp ertrank bei seinem Fluchtversuch durch einen Grenzgewässerabschnitt der Spree. Grenzposten hatten zuvor auf ihn geschossen.
Walter Kittel (18. Oktober 1965) — Walter Kittel wurde nur 22 Jahre alt. Er wurde bei einem Fluchtversuch im Grenzstreifen erschossen und verblutete, ohne dass Hilfe geleistet wurde.
Heinz Sokolowski (25. November 1965) — Der 38-jährige Heinz Sokolowski wurde an der Berliner Mauer in der Nähe des Brandenburger Tors erschossen. Er hatte versucht, die massiven Sperranlagen zu überwinden.
1966–1970
Michael Kollender (25. April 1966) — Michael Kollender war gerade erst 18 Jahre alt, als er beim Fluchtversuch an der Berliner Mauer erschossen wurde. Er hatte sein ganzes Leben noch vor sich.
Paul Stretz (29. April 1966) — Der 50-jährige Paul Stretz war einer der ältesten Männer, die an der Mauer erschossen wurden. Sein Tod zeigt, dass der Freiheitswille keine Altersgrenze kannte.
Eduard Wroblewski (26. Juli 1966) — Der 34-jährige Eduard Wroblewski wurde beim Versuch, die Mauer zu überwinden, von Grenzposten erschossen. Er starb noch an der Grenze.
Karl-Heinz Kube (16. Dezember 1966) — Karl-Heinz Kube war 17 Jahre alt und damit einer der jüngsten Mauertoten. Er wurde an der Grenze in Treptow erschossen.
Max Willi Sahmland (25. Januar 1967) — Der 52-jährige Max Willi Sahmland erlitt beim Fluchtversuch an der Grenze einen tödlichen Herzinfarkt. Die Todesumstände zeigen, dass die Mauer auch indirekt tötete — durch Angst, Stress und Verzweiflung.
Franciszek Piesik (17. Oktober 1967) — Der polnische Staatsbürger Franciszek Piesik ertrank bei seinem Versuch, durch die Spree nach West-Berlin zu schwimmen. Auch ausländische Bürger wurden Opfer des DDR-Grenzregimes.
Elke und Dieter Weckeiser (1968) — Das junge Ehepaar Elke und Dieter Weckeiser kam gemeinsam bei einem Fluchtversuch ums Leben. Ihr gemeinsames Schicksal steht symbolisch für die vielen Familien, die durch die Mauer zerrissen wurden.
Johannes Lange (9. April 1969) — Der 29-jährige Johannes Lange wurde im Grenzstreifen erschossen. Er hatte mehrere Monate seinen Fluchtversuch geplant.
Helmut Kliem (13. November 1970) — Der 31-jährige Helmut Kliem wurde an der Grenzübergangsstelle in der Chausseestraße erschossen, als er versuchte, die Schlagbäume zu durchbrechen.
1971–1980
Dieter Beilig (2. Oktober 1971) — Dieter Beilig war 35 Jahre alt, als er bei seinem Fluchtversuch an der Mauer erschossen wurde. Er versuchte, über die Sperranlagen in Pankow zu klettern.
Horst Kullack (21. Januar 1972) — Der 29-jährige Horst Kullack wurde an der Grenze in Spandau beim Kletterversuch erschossen. Er erlag seinen Verletzungen wenige Tage später im Krankenhaus.
Cengaver Katrancı (30. Oktober 1972) — Der 8-jährige türkische Junge Cengaver Katrancı ertrank im Grenzgewässer der Spree. Er war beim Spielen am Ufer in West-Berlin ins Wasser gefallen und in den Grenzbereich getrieben worden. DDR-Grenzer durften nicht helfen. Sein Tod löste internationale Bestürzung aus.
Holger H. (1. Januar 1973) — Am Neujahrstag 1973 wurde ein junger Mann beim Fluchtversuch über die Mauer erschossen. Er hatte gehofft, im neuen Jahr ein neues Leben in Freiheit zu beginnen.
Manfred Weylandt (14. Februar 1972) — Der 30-jährige Manfred Weylandt wurde erschossen, als er versuchte, über die Mauer zu klettern. Er verblutete im Grenzstreifen.
Herbert Kiebler (27. Juni 1975) — Herbert Kiebler starb beim Fluchtversuch an der Berliner Mauer. Er wurde beim Überklettern der Sperranlagen entdeckt und unter Beschuss genommen.
Dietmar Schwietzer (16. Februar 1977) — Der 18-jährige Dietmar Schwietzer wurde an der Grenze in Treptow erschossen. Er war einer der jüngsten Opfer der späten 1970er Jahre.
Marienetta Jirkowsky (22. November 1980) — Die 18-jährige Marienetta Jirkowsky war eines der wenigen weiblichen Opfer der Berliner Mauer. Sie wurde gemeinsam mit zwei Begleitern beim Fluchtversuch in Hohen Neuendorf von Grenzposten beschossen und tödlich getroffen. Ihre beiden Begleiter überlebten schwer verletzt.
1981–1989 — Die letzten Opfer
Thomas Taubmann (12. Dezember 1981) — Thomas Taubmann starb im Alter von 20 Jahren bei einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer. Er wurde von Grenzposten gestellt und erschossen.
Lothar Fritz Freie (6. Juni 1982) — Lothar Fritz Freie wurde beim Fluchtversuch im Grenzgebiet getötet. Sein Tod in den 1980er Jahren zeigt, dass die Mauer bis zuletzt tödlich blieb.
Michael Schmidt (1. Dezember 1984) — Der 20-jährige Michael Schmidt wurde beim Versuch, die Sperranlagen zu überwinden, von Grenzposten erschossen. Er war Student und wollte sein Studium im Westen fortsetzen.
Lutz Schmidt (12. Februar 1987) — Lutz Schmidt starb im Alter von 29 Jahren beim Fluchtversuch an der Berliner Mauer. Selbst in der Spätphase der DDR, als die Reformbewegung bereits in Gang war, schossen Grenzer weiterhin.
Chris Gueffroy (5. Februar 1989) — Chris Gueffroy war der letzte Mensch, der an der Berliner Mauer durch Schüsse getötet wurde. Der 20-jährige Kellner versuchte gemeinsam mit seinem Freund Christian Gaudian, die Sperranlagen im Britzer Zweigkanal in Treptow zu überqueren. Grenzposten eröffneten das Feuer mit Kalaschnikow-Sturmgewehren. Gueffroy wurde von mehreren Schüssen getroffen und starb noch am Grenzstreifen. Sein Freund Gaudian überlebte schwer verletzt. Der Tod von Chris Gueffroy — nur neun Monate vor dem Mauerfall — wurde zum Symbol für die Unmenschlichkeit des SED-Regimes bis zu seinem letzten Tag.
Winfried Freudenberg (8. März 1989) — Winfried Freudenberg war das letzte Todesopfer an der Berliner Mauer. Der 32-jährige Ingenieur versuchte, mit einem selbstgebauten Gasballon über die Grenze zu fliegen. Der Ballon stürzte in Zehlendorf ab, und Freudenberg kam ums Leben. Sein Tod nur acht Monate vor dem Mauerfall unterstreicht die Tragik: So viele Menschen riskierten und verloren ihr Leben, ohne zu wissen, dass die Mauer bald fallen würde.
Diese Auflistung umfasst eine Auswahl der dokumentierten Opfer. Insgesamt starben nach Erkenntnissen der Gedenkstätte Berliner Mauer mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer. Hunderte weitere wurden an der innerdeutschen Grenze getötet. Jedes einzelne Opfer steht für das Versagen eines Systems, das seine eigenen Bürger einsperrte und tötete.
Die Stasi — Wie der SED-Staat Nachbarn gegen Nachbarn aufhetzte
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), im Volksmund „Stasi" genannt, war der Inlands- und Auslandsgeheimdienst der DDR und das zentrale Instrument der SED zur Kontrolle und Unterdrückung der Bevölkerung. Die Stasi war mit 91.015 hauptamtlichen Mitarbeitern (Stand 1989) und geschätzten 189.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM) der proportional größte Geheimdienst der Welt.
Das System der inoffiziellen Mitarbeiter
Die Stasi rekrutierte systematisch Bürger als „inoffizielle Mitarbeiter" (IM), die ihre Nachbarn, Kollegen, Freunde und sogar Familienangehörige bespitzelten. Die IMs berichteten über politische Einstellungen, Westkontakte, Fluchtabsichten und abweichendes Verhalten. Schätzungen zufolge kam auf 63 DDR-Bürger ein Stasi-Informant — ein Überwachungsverhältnis, das selbst das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion übertraf.
Die Rekrutierung erfolgte durch Druck, Erpressung oder ideologische Überzeugung. Viele IMs wurden mit beruflichen Vorteilen oder der Drohung, ihre eigenen Vergehen aufzudecken, zur Zusammenarbeit bewegt. Das Ergebnis war eine Gesellschaft des Misstrauens, in der niemand sicher sein konnte, ob der eigene Ehepartner, Nachbar oder beste Freund für die Stasi arbeitete.
Zersetzung — Die systematische Zerstörung von Leben
Die perfideste Methode der Stasi war die sogenannte „Zersetzung". Statt politische Gegner offen zu verhaften — was internationale Aufmerksamkeit erregt hätte — zerstörte die Stasi das Leben der Betroffenen von innen heraus. Zu den Methoden gehörten:
Systematische Verbreitung von Gerüchten und Verleumdungen, um das soziale Umfeld zu vergiften. Sabotage der beruflichen Karriere durch verdeckte Einflussnahme auf Arbeitgeber. Zerstörung von Ehen und Beziehungen durch gezielte Manipulation und gefälschte Beweise für Untreue. Heimliches Eindringen in Wohnungen, um Gegenstände umzustellen und die Betroffenen in den Wahnsinn zu treiben. Gezieltes Wenden von Kindern gegen ihre Eltern.
Die psychologischen Folgen waren verheerend. Viele Opfer der Zersetzung litten unter Depressionen, Angstzuständen und Suizidgedanken. Einige nahmen sich das Leben.
Nachbarn gegen Nachbarn
Die Stasi nutzte gezielt die Nähe von Nachbarschaftsverhältnissen aus. In Wohnblöcken und Neubaugebieten wurden Hausvertrauensleute und Abschnittsbevollmächtigte eingesetzt, die das Kommen und Gehen der Bewohner überwachten. IMs in Nachbarwohnungen notierten, wer Westfernsehen schaute, wer Besuch aus dem Westen empfing und wer politische Witze erzählte.
Die Folgen dieser flächendeckenden Bespitzelung reichen bis heute. Nach der Öffnung der Stasi-Akten durch die Gauck-Behörde (später BStU, heute Stasi-Unterlagen-Archiv) mussten viele Menschen erfahren, dass enge Freunde, Familienangehörige oder der eigene Ehepartner jahrelang Berichte über sie verfasst hatten. Freundschaften zerbrachen, Familien spalteten sich, das Vertrauen ganzer Gemeinschaften war dauerhaft zerstört.
Die Akten der Stasi umfassen 111 Regalkilometer Schriftgut — ein erschreckendes Zeugnis des Umfangs der Überwachung. Bis heute werden diese Akten von Betroffenen eingesehen, und bis heute fördern sie schmerzhafte Wahrheiten zutage.
Von der SED zu Die Linke — Eine direkte Linie
Die heutige Partei Die Linke ist die direkte Nachfolgerin der SED. Diese organisatorische Kontinuität ist nicht umstritten — sie ist eine historische Tatsache, die auch die Partei selbst nicht bestreitet. Der Weg verlief über mehrere Umbenennungen:
Die Umbenennungen
SED (1946–1989): Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands entstand 1946 durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD in der sowjetischen Besatzungszone. Sie regierte die DDR als alleinherrschende Staatspartei bis 1989.
SED-PDS (Dezember 1989): Nach dem Mauerfall benannte sich die SED auf einem Sonderparteitag im Dezember 1989 in „Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus" (SED-PDS) um. Der neue Vorsitzende wurde Gregor Gysi.
PDS (Februar 1990): Im Februar 1990 strich die Partei den SED-Zusatz und nannte sich nur noch „Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS). Die Partei behielt jedoch das SED-Vermögen, die Organisationsstrukturen und einen Großteil der Mitgliedschaft.
Die Linkspartei.PDS (2005): In Vorbereitung auf die Fusion mit der westdeutschen WASG (Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) benannte sich die PDS 2005 in „Die Linkspartei.PDS" um.
Die Linke (2007–heute): Am 16. Juni 2007 fusionierte die Linkspartei.PDS mit der WASG zur Partei „Die Linke". Die Fusion brachte westdeutsche Gewerkschafter und ehemalige SPD-Mitglieder in die Partei, änderte aber nichts an der organisatorischen Kontinuität: Vermögen, Strukturen und ein Großteil der ostdeutschen Mitgliederbasis stammten direkt aus der SED.
Die SED-Kader in der Partei Die Linke
Die personelle Kontinuität zwischen SED und Die Linke ist erheblich. Zahlreiche ehemalige SED-Funktionäre prägten die PDS und später Die Linke in Führungspositionen:
Gregor Gysi — SED-Mitglied seit 1967, wurde 1989 Vorsitzender der SED-PDS und führte die Partei durch die Wendezeit. Er war jahrzehntelang das bekannteste Gesicht der PDS und der Linken, Fraktionsvorsitzender im Bundestag und ist bis heute ein prominenter Vertreter der Partei. Gysi war auch Anwalt in der DDR und wird von Kritikern beschuldigt, als IM für die Stasi gearbeitet zu haben — was er bestreitet.
Lothar Bisky (1941–2013) — Seit 1963 SED-Mitglied, wurde Bisky 1993 Vorsitzender der PDS und später Gründungsvorsitzender der Partei Die Linke (2007). Er leitete in der DDR die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg und war tief in das kulturpolitische Establishment der SED eingebunden.
Hans Modrow (1928–2023) — SED-Bezirkssekretär in Dresden, wurde Modrow im November 1989 letzter SED-Ministerpräsident der DDR. Er blieb in der PDS aktiv und wurde 2007 Ehrenvorsitzender der Partei Die Linke — eine Position, die er bis zu seinem Tod im Februar 2023 innehatte. Modrow war ein Karrierefunktionär der SED, der das System über Jahrzehnte mitgetragen hatte.
Dietmar Bartsch — Trat 1986 in die SED ein und studierte an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. Bartsch wurde Schatzmeister der PDS und war maßgeblich daran beteiligt, das SED-Parteivermögen zu sichern. Er stieg zum Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag auf und prägte die Partei über Jahrzehnte.
Dagmar Enkelmann — SED-Mitglied seit 1981, gehörte sie der letzten DDR-Volkskammer an und wechselte nahtlos in den Bundestag. Sie wurde Geschäftsführerin der Linksfraktion und Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung — der parteinahen Stiftung der Linken.
André Brie — Als ehemaliger SED-Funktionär und bestätigter inoffizieller Mitarbeiter der Stasi (IM „Christoph") war Brie dennoch jahrelang Wahlkampfmanager und Stratege der PDS.
Diese Beispiele zeigen: Die Partei Die Linke wurde nicht einfach von ehemaligen SED-Mitgliedern „unterwandert" — sie ist die organisatorische, finanzielle und in wesentlichen Teilen auch personelle Fortsetzung der SED. Die Umbenennungen änderten den Namen, aber nicht die institutionelle Identität.
Das SED-Vermögen
Ein besonders umstrittenes Kapitel ist das Parteivermögen. Die SED verfügte als Staatspartei über ein gigantisches Vermögen: Immobilien, Betriebe, Medienhäuser, Devisen und Auslandskonten. Nach der Wende versuchte die PDS, möglichst viel dieses Vermögens zu retten. Die „Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR" (UKPV) stellte fest, dass erhebliche Vermögenswerte verschleiert und verschoben worden waren. Obwohl große Teile eingezogen wurden, profitierte die PDS/Linke von der organisatorischen Infrastruktur, die mit SED-Geldern aufgebaut worden war.
Fazit
Die Verbrechen der SED gegen die eigene Bevölkerung — Mauertote, Stasi-Terror, politische Verfolgung, Zwangsadoptionen und Doping — gehören zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Opfer der Berliner Mauer mahnen uns, dass Freiheit ein kostbares Gut ist, für das Menschen ihr Leben riskierten und verloren.
Die direkte organisatorische Linie von der SED über die PDS zur Partei Die Linke ist eine historische Tatsache. Ehemalige SED-Kader prägten die Nachfolgepartei über Jahrzehnte in Führungspositionen. Die Frage, ob und wie sich Die Linke glaubwürdig von diesem Erbe distanziert hat, bleibt Gegenstand politischer Debatte.
Für die Opfer und ihre Angehörigen ist diese Debatte mehr als eine akademische Frage. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und des Gedenkens — denn jeder Name in der Liste der Mauertoten steht für einen Menschen, der sein Leben verlor, weil er frei sein wollte.



