
Der frühere Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, sieht sich laut einem Bericht des Wall Street Journal mit neuen Vorwürfen eines anonymen Whistleblowers konfrontiert. Der Stiftungsrat des Forums habe demnach eine interne Untersuchung gegen Schwab eingeleitet, obwohl dieser sich laut Bericht ursprünglich dagegen ausgesprochen habe. Schwab weist die Vorwürfe zurück und droht laut dem Bericht mit rechtlichen Schritten.
Zu den Vorwürfen des Whistleblowers zählt laut Wall Street Journal, Schwab habe junge Mitarbeiter gebeten, mehrere Tausend Dollar von Geldautomaten für ihn abzuheben. Zudem soll er Massagen in Hotelzimmern auf Kosten des Forums gebucht haben; Schwab erklärt dazu, diese seien privat bezahlt worden. Seine Ehefrau Hilde Schwab soll zudem Scheintermine auf Kosten des Forums organisiert haben, um Luxusreisen zu rechtfertigen. Der Stiftungsrat, dem laut Bericht 27 Mitglieder angehören, darunter die frühere IWF-Chefin Christine Lagarde, Ex-US-Vizepräsident Al Gore und Königin Rania von Jordanien, erhielt den anonymen Brief mit den Vorwürfen demnach erst rund eine Woche vor Einleitung der Prüfung. Das WEF wird interimsmäßig vom ehemaligen Nestlé-Chef Peter Brabeck geleitet.
Ältere Geschäftsverflechtungen
Neben den aktuellen Vorwürfen verweist das Wall Street Journal auch auf ältere Geschäftsbeziehungen Schwabs, die bis ins Jahr 1998 zurückreichen. Demnach vergab das Weltwirtschaftsforum im Juni 1998 einen Auftrag über acht Millionen Dollar an die kalifornische Internetberatungsfirma US Web Corp. Nur 13 Tage später sei Schwab in den Vorstand dieses Unternehmens berufen worden und habe Aktienoptionen erhalten. Als das Forum später aus dem Vertrag aussteigen wollte, habe Schwab diesen nach eigenen Angaben auf ein anderes Internetunternehmen verlagert, in dessen Vorstand er ebenfalls saß und an dem er Aktienoptionen hielt.
Weitere Verflechtungen betreffen laut Bericht das Unternehmen Global Event Management, das 1997 die logistischen Dienstleistungen für die Davos-Konferenz übernahm und heute teilweise dem französischen Medienunternehmen Publicis SA gehört. Bereits 1997 hatte die damalige Kommunikationsdirektorin des Forums, Barbara Erskine, laut Bericht moralische Bedenken gegenüber Schwab und dem Vorstand geäußert. Als Lösung habe Schwab die Gründung einer separaten gemeinnützigen Stiftung veranlasst, die gewinnorientierte Projekte übernehmen sollte. Im Februar 1998 sei die Schwab-Stiftung in der Schweiz gegründet worden, mit Schwab als Präsident. Kurz darauf sei die Beteiligung an der World Link Communication Development AG auf die Stiftung übergegangen, wobei Schwab nach eigenen Angaben lediglich den Buchwert dafür zahlte. Wie hoch dieser genau war, gab er laut Bericht nicht an.
Originalbeitrag von Aktien mit Kopf

