Ein anonymer Whistleblower hat schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, erhoben. Laut einem Bericht des Wall Street Journal soll Schwab junge Mitarbeiter gebeten haben, mehrere tausend Dollar von Geldautomaten für ihn abzuheben, Massagen in Hotelzimmern auf Kosten des Forums gebucht und gemeinsam mit seiner Ehefrau Hilde Schwab Scheintermine organisiert haben, um Luxusreisen zu rechtfertigen. Schwab weist alle Vorwürfe vehement zurück und droht mit rechtlichen Konsequenzen.
Besonders brisant ist die Reaktion des WEF-Stiftungsrats, zu dem hochrangige Persönlichkeiten wie Christine Lagarde, Ex-Vizepräsident Al Gore und Königin Rania von Jordanien gehören. Obwohl der anonyme Brief erst vor einer Woche eingegangen war, beschloss das 27-köpfige Gremium gegen Schwabs Willen eine interne Untersuchung der Vorwürfe einzuleiten. Diese Entscheidung ist besonders bemerkenswert, da Schwab alle Stiftungsratsmitglieder persönlich für ihre Ämter angefragt hatte.
Das Wall Street Journal berichtet jedoch auch über weitaus größere finanzielle Unregelmäßigkeiten, die bis ins Jahr 1998 zurückreichen. Damals vergab das als gemeinnützig geltende WEF einen acht Millionen Dollar Vertrag an die kalifornische Internetberatungsfirma US Web Corp. Nur 13 Tage später berief US Web Schwab in den Vorstand und gewährte ihm wertvolle Aktienoptionen. Als das Forum später aus dem Vertrag aussteigen wollte, verlagerte Schwab den Auftrag nach eigenen Angaben auf ein anderes Internetunternehmen, in dessen Vorstand er ebenfalls saß.
Zur Lösung der damaligen Interessenkonflikte gründete Schwab 1998 eine separate gemeinnützige Stiftung, die gewinnorientierte Projekte übernahm. Dabei ging das Eigentum an der World Link Communication Development AG zum sogenannten Buchwert an Schwabs private Stiftung über - nicht zum möglicherweise deutlich höheren Marktwert während der Internetblase der späten 1990er Jahre. Schwab wollte damals nicht angeben, welchen Betrag seine Stiftung dem WEF für diese Vermögenswerte zahlte.
Diese Geschäftspraktiken waren zwar legal, werfen aber Fragen zu den Prioritäten und der Arbeitsweise des als gemeinnützig auftretenden Forums auf. Bereits 1997 hatte die damalige Kommunikationsdirektorin Barbara Erskine moralische Bedenken geäußert und das Forum später verlassen. Ob die aktuellen Whistleblower-Vorwürfe tatsächlich der Grund für Schwabs plötzlichen Rücktritt waren, bleibt unklar.
Originalbeitrag von Aktien mit Kopf

