
Der Grünen-Politiker und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist wenige Tage vor der Bundestagswahl mit Plagiatsvorwürfen zu seiner vor 25 Jahren an der Universität Hamburg verfassten Doktorarbeit konfrontiert worden. Der Plagiatsjäger Stefan Weber hatte die Dissertation untersucht und dabei nach eigenen Angaben zahlreiche Unstimmigkeiten festgestellt. Noch bevor die Vorwürfe öffentlich bekannt wurden, wandte sich Habeck über den Onlinedienst X an die Öffentlichkeit und kündigte an, die zu erwartenden Anschuldigungen vorab zu entkräften.
Habeck erklärte, es handele sich lediglich um Ungenauigkeiten in den Fußnoten. Die Ombudsstelle der Universität Hamburg habe die Arbeit bereits geprüft und kein grobfahrlässiges wissenschaftliches Fehlverhalten festgestellt. Stefan Weber widersprach dieser Darstellung umgehend auf X und warf Habeck vor, methodisch eine Quellenarbeit vorgetäuscht zu haben, die tatsächlich nicht stattgefunden habe. Nach seinen Angaben ließen sich anhand eines zitationsbasierten Ansatzes auch plagiierte Textfragmente nachweisen. Laut Weber läuft an der Universität Hamburg zudem eine weitere, noch nicht abgeschlossene Prüfung.
Plagiatsjäger widerspricht Habeck
In einem Gespräch legte Weber seine Vorwürfe genauer dar. Es handele sich nicht um Rechtschreibfehler, sondern um sogenannte Zitat- und Quellenplagiate: Habeck habe dem Leser vorgetäuscht, Werke etwa von Hölderlin oder Novalis im Original gelesen zu haben, tatsächlich stammten die Zitate aus nicht genannten Sekundärwerken. Diese Zitierregel bestehe seit Jahrzehnten und sei auch 1999, als Habeck promovierte, bereits gültig gewesen. Insgesamt spricht Weber von 128 nachgewiesenen Plagiatsstellen, die er auf seinem Blog veröffentlicht habe. Auch zur Doktorarbeit von Habecks Ehefrau äußerte sich Weber und sprach von sogenannten Fließtextplagiaten, die er als schwerwiegender einstufte als die bei Habeck gefundenen Quellenplagiate.
Weber äußerte zudem den Verdacht, die zeitliche Nähe zwischen seiner Recherche und Habecks öffentlicher Reaktion sei kein Zufall, sondern Ergebnis einer Abstimmung zwischen einem Journalisten und der Universität Hamburg. Diese Darstellung ließ sich dem Bericht zufolge nicht unabhängig bestätigen. Bereits im Wahlkampf 2021 hatte Weber ähnliche Vorwürfe gegen die damalige Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erhoben und in einem Buch von ihr zahlreiche Plagiatsfragmente identifiziert.
Finanzierung von Demonstrationen
Unabhängig von den Plagiatsvorwürfen wurde über die Finanzierung von Demonstrationen gegen Rechts berichtet, an denen zuletzt bundesweit hunderttausende Menschen teilnahmen, unter anderem in München und Berlin. Anlass war ein Antrag der Union zur Verschärfung des Asylrechts im Bundestag, der mit Stimmen der AfD angenommen wurde. Dem Bericht zufolge erhalten mehrere an den Demonstrationen beteiligte Organisationen staatliche Zuschüsse, unter anderem aus dem von den Grünen geführten Familienministerium. Genannt wurden die Organisation HateAid, die in den vergangenen fünf Jahren 2,5 Millionen Euro erhalten habe, sowie Omas gegen Rechts, die gemeinsam vom Wirtschafts- und vom Familienministerium mit 23.000 Euro unterstützt worden sei. Insgesamt stelle das Familienministerium 182 Millionen Euro für Programme gegen Rechtsextremismus bereit.
Zudem wurde über das erste Fernsehduell zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz im Rahmen des Bundestagswahlkampfs berichtet. Beide Politiker zeigten sich demnach überzeugt vom eigenen Wahlsieg. In der Debatte ging es vor allem um Migration, Wirtschaft und Verteidigungsausgaben. Scholz verteidigte die Migrationspolitik seiner Regierung, während Merz ihm eine realitätsferne Einschätzung der Lage in Städten und Gemeinden vorwarf. Bei der Finanzierung höherer Verteidigungsausgaben und einer möglichen Reform der Schuldenbremse zeigten sich beide uneins, wobei Merz Einsparungen und wirtschaftliches Wachstum als vorrangig bezeichnete.
Originalbeitrag von WELT


