LINKE

Der Mann, der Gewalt nicht verurteilen will: Was der Fall Noa Sander über „Widersetzen“ verrät

Veröffentlicht am 8. Juli 20263 Min. Lesezeit607 WörterRedaktion

In Erfurt wurden Journalisten von Linksradikalen attackiert - doch der Sprecher des Bündnisses „Widersetzen“, Noa Sander, verweigert die Verurteilung. Recherchen zeigen seine Nähe zur verfassungsschutzbeobachteten Interventionistischen Linken.

Symbolbild: Gerissener Presseausweis vor Zebrastreifen-Hintergrund – Pressefreiheit unter Druck bei Anti-AfD-Protesten

Kommentar — In Erfurt wurden am Wochenende Journalisten von linksradikalen Aktivisten gejagt, einer blutig geschlagen. Und der Pressesprecher des Protestbündnisses „Widersetzen"? Verweigert die Verurteilung — und liefert damit unfreiwillig den Beweis, wie weit Teile des „zivilgesellschaftlichen" Protests gegen die AfD inzwischen abgedriftet sind.

„Faschisten mit Presseausweis"

Die Szene spielte sich auf einer Pressekonferenz am Sonntag in Erfurt ab. Ein Journalist des Deutschlandfunks — nicht etwa ein AfD-naher Reporter — fragte Noa Sander, Pressesprecher von „Widersetzen", ob das Bündnis die Angriffe auf Reporter von Apollo News am Rande der Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag verurteile. Sanders Antwort: „Faschisten mit Presseausweis sind immer noch Faschisten."

Man muss diesen Satz zweimal lesen. Ein Journalist wird blutig geschlagen, und der offizielle Sprecher des Bündnisses, das zu den Protesten aufgerufen hatte, erklärt die Opfer kurzerhand zu „Faschisten" — und damit die Gewalt implizit zur legitimen „Notwehr". Einem Apollo-News-Reporter wurde zuvor auf derselben Pressekonferenz die Frage gleich ganz verweigert: Fragen dieses Mediums nehme man nicht entgegen. So sieht das Pressefreiheitsverständnis eines Bündnisses aus, das sich selbst als Verteidiger der Demokratie inszeniert.

Im Umfeld der Interventionistischen Linken

Wer ist dieser Mann, der bei Pressekonferenzen im Zebrakleid auftritt und Gewalt gegen unliebsame Journalisten nicht verurteilen mag? Eine Recherche des Portals NIUS zeichnet ein aufschlussreiches Bild: Sander bewegt sich demnach seit Jahren im Umfeld der „Interventionistischen Linken" (IL) — einer Organisation, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht für 2025 unter der Rubrik Linksextremismus geführt wird.

Die Indizien laut NIUS: IL-Accounts und ihre Ortsgruppen bewarben Sanders Videos, die linke Plattform „Scharf links" bezeichnete Sander bereits 2024 als Sprecher(in) der Interventionistischen Linken, und gegenüber der Zeit dementierte Sander eine IL-Mitgliedschaft nicht. In dem „Scharf links"-Artikel wurde Sander mit der Forderung nach „Überwindung des Kapitalismus" und einer „Revolution" zitiert — Formulierungen, die sich laut NIUS nahezu deckungsgleich im Verfassungsschutzbericht als Zielbeschreibung der IL wiederfinden: die Überwindung des Kapitalismus einschließlich des demokratischen Rechtsstaats durch revolutionären Umsturz.

Auf mehrfache Nachfrage der Zeit wollte sich Sander nicht darauf festlegen, beim AfD-Parteitag auf Gewalt zu verzichten. Sein Fazit stattdessen: „Antifa bleibt Handarbeit."

Der eigentliche Skandal

Man kann von der AfD halten, was man will. Aber sie ist eine legale Partei, die von Millionen Deutschen gewählt wird und die — wie jede andere Partei auch — das verfassungsmäßige Recht hat, Parteitage abzuhalten. Wer diese Parteitage mit Blockaden „verhindern" oder, wie Sander es laut NIUS schon 2025 in Riesa formulierte, „zum Desaster machen" will, stellt sich nicht schützend vor die Demokratie. Er stellt sich gegen sie. Demokratie heißt: Der Wähler entscheidet — nicht der vermummte Aktivist mit Bengalo.

Der eigentliche Skandal ist dabei nicht Sander selbst. Der eigentliche Skandal ist, dass ein Bündnis, dessen Sprecher Gewalt gegen Journalisten nicht verurteilen mag und das offenkundig personelle Schnittmengen mit einer vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation aufweist, von Politik und Leitmedien weitgehend unwidersprochen als „Zivilgesellschaft" durchgereicht wird. Man stelle sich den umgekehrten Fall vor: Ein Sprecher einer rechten Demonstration weigert sich, Prügelattacken auf Journalisten zu verurteilen. Der Aufschrei wäre — zu Recht — ohrenbetäubend. Bei linker Gewalt herrscht betretenes Schweigen.

Wer Journalisten jagt, wer Gewalt relativiert, wer den „revolutionären Umsturz" des Systems herbeisehnt, verdient keinen Rabatt, nur weil das erklärte Feindbild AfD heißt. Gewalt ist Gewalt. Pressefreiheit gilt auch für Medien, die man nicht mag. Und der demokratische Rechtsstaat wird nicht von denen verteidigt, die ihn „überwinden" wollen.

Zur Einordnung: „Widersetzen" und Sander selbst sehen ihre Proteste als legitimen zivilen Widerstand gegen eine Partei, die sie für eine Gefahr für die Demokratie halten; eine strafrechtliche Verantwortung Sanders für die Angriffe in Erfurt ist nicht bekannt. Die Darstellung seiner IL-Nähe beruht auf Recherchen von NIUS (Joelle Rautenberg, 7. Juli 2026) sowie Berichten von „Zeit" und „Scharf links".

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