Friedrich Merz regiert Deutschland seit dem 6. Mai 2025. Seine Kanzlerschaft begann mit einem historischen Makel: Er benötigte bereits beim Einzug ins Amt den zweiten Wahlgang, um die notwendige Mehrheit in der eigenen Koalition zu erhalten Statista – ein Zeichen, das viele als schlechtes Omen deuteten. Inzwischen haben die Zahlen die schlimmsten Befürchtungen bestätigt und sogar übertroffen.
Weltrekord der Unbeliebtheit
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Laut einer Erhebung des US-amerikanischen Meinungsforschungsinstituts Morning Consult, das die Beliebtheitswerte von Regierungschefs in 24 Demokratien vergleicht, erzielt Friedrich Merz mit 76 Prozent Ablehnung die schlechtesten Werte weltweit – bei gerade einmal 19 Prozent Zustimmung. euronews
Das ist kein statistisches Rauschen. Eine parallele Erhebung des RTL/ntv-Trendbarometers, das Forsa zwischen dem 31. März und dem 2. April 2026 durchführte, kommt auf 78 Prozent Unzufriedenheit – ein Allzeithoch. Die Datenbasis: 1.503 Befragte, statistische Fehlertoleranz plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Kreisbote
Und die aktuellste Zahl schlägt nochmals nach unten aus: Laut der Forsa-Umfrage für RTL und n-tv vom 14. April 2026 geben nur noch 18 Prozent an, mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden zu sein. Pravda Deutschland
Zum Vergleich: Selbst Olaf Scholz war an seinem Tiefpunkt im Juni 2024 deutlich beliebter als sein Amtsnachfolger – damals bewerteten 28 Prozent seine Arbeit positiv, 67 Prozent negativ. Pravda Deutschland Merz hat diese Marke inzwischen weit unterschritten.
Glaubwürdigkeit: Das eigentliche Kernproblem
Noch vernichtender als die Zustimmungswerte ist das Urteil der Deutschen zur Glaubwürdigkeit ihres Kanzlers. Eine Ipsos-Umfrage vom Januar 2026 ergab: Nur 17 Prozent der Deutschen halten das politische Handeln von Friedrich Merz für glaubwürdig. 64 Prozent stufen es als unglaubwürdig ein. Ipsos
Meinungsforscher sind sich einig, dass diese Werte nicht primär konjunkturellen oder situativen Faktoren geschuldet sind – sondern der Person selbst. Forsa-Chef Manfred Güllner erklärte gegenüber Euronews: Frühere Kanzler wie Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Gerhard Schröder hätten hohe Akzeptanz genossen. Die große Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Kanzler sei nicht einer generellen Skepsis der Deutschen gegenüber ihrer politischen Führung geschuldet, sondern ausschließlich der Person Merz selbst. Kreisbote
Güllner ergänzte dabei noch ein weiteres Detail, das aufhorchen lässt: Merz sei schon während seiner ersten Zeit als aktiver Politiker Anfang der 2000er Jahre einer der unbeliebtesten politischen Akteure in der Bundesrepublik gewesen. Und auch nach seiner Rückkehr von BlackRock in die Politik habe sich daran nichts geändert. Es gebe massive Vorbehalte gegenüber dem Kanzler vor allem bei den Frauen, den jungen Wahlberechtigten und den Ostdeutschen. Pravda Deutschland
Wahlversprechen: Ein Katalog des Wortbruchs
Wer nach konkreten Gründen sucht, wird rasch fündig. Hermann Binkert, Leiter des Meinungsforschungsinstituts INSA, benennt gegenüber Euronews die zentralen Ursachen: Der Bundeskanzler habe Wahlversprechen gebrochen, die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sei weiter negativ, viele sähen ihr Heimatland in einer Abwärtsspirale. Weder das bürgerlich-konservative Lager noch das linksliberal-progressive Lager sei zufrieden mit dem, was die Regierungskoalition umsetze. euronews
Die Liste der gebrochenen Versprechen ist lang. Im Wahlkampf hatte Merz klar positioniert: Er werde am ersten Tag seiner Amtszeit das Bundesinnenministerium im Wege der Richtlinienkompetenz anweisen, die deutschen Staatsgrenzen dauerhaft zu kontrollieren und ausnahmslos alle Versuche der illegalen Einreise zurückzuweisen. FDP/DVP-Fraktion Daraus wurde im Koalitionsvertrag eine deutlich verwässerte Regelung: Das Migrationskapitel des Koalitionsvertrags beginnt mit dem Satz, das Grundrecht auf Asyl bleibe unangetastet – eine klare Absage an das Wahlkampfversprechen. Vorwärts
Beim zweiten zentralen Thema – solide Staatsfinanzen – die gleiche Kehrtwende: Merz hatte im Wahlkampf gebetsmühlenartig die Verteidigung der Schuldenbremse versprochen, um dann der SPD mit einem massiven Schuldenpaket entgegenzukommen. FDP/DVP-Fraktion
Weitere Versprechen, die im Regierungsalltag verschwanden: Rückkehr zur Kernkraft – abgesagt. Abschaffung des Heizungsgesetzes und des Verbrennerverbots – nicht umgesetzt. Senkung der Stromsteuer – kassiert. Die Erhöhung der Mütterrente wurde auf zwei Jahre verschoben. Abgeordnetenwatch
Wirtschaft: Keine Trendwende in Sicht
Wirtschaftskompetenz war das Hauptargument, mit dem Merz ins Kanzleramt einzog. Die Realität ist ernüchternd. Im zweiten Quartal 2025 – dem Quartal, in dem Merz' Amtszeit begann – schrumpfte die deutsche Wirtschaft um rund 0,1 Prozent. Der IWF prognostiziert für 2026 ein Wachstum von gerade 0,9 Prozent – womit Deutschland weiterhin am unteren Ende der Eurozone verharrt. NZZ
Die politische Konsequenz: AfD überholt CDU/CSU
Das politische Signal ist unmissverständlich. Laut der aktuellen Sonntagsfrage von YouGov vom 10. bis 13. April 2026 ist die AfD mit 27 Prozent klar stärkste Kraft in Deutschland – ein Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vormonat. Die CDU/CSU verliert drei Prozentpunkte und sackt auf 23 Prozent ab, den niedrigsten YouGov-Wert seit Dezember 2021. Gleichzeitig gaben 79 Prozent der Befragten an, mit der Arbeit des schwarz-roten Kabinetts unzufrieden zu sein. T-online
Besonders alarmierend für die Kanzlerpartei: Der Rückhalt unter den eigenen Anhängern bröckelt massiv. Waren im März noch fast die Hälfte der Unionswähler (48 Prozent) mit der Regierungsarbeit zufrieden, sind es im April nur noch 34 Prozent. Kreisbote
Auch andere Institute bestätigen den Trend: Laut einer INSA-Umfrage für die Bild am Sonntag kam die Union Anfang April auf 25 Prozent und lag damit knapp hinter der AfD mit 26 Prozent. Im ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap lagen Union und AfD Anfang April mit je 25 bzw. 26 Prozent praktisch gleichauf. Tagesspiegel
Fazit
Friedrich Merz ist, belegbar und quellengesichert, der unbeliebteste demokratisch gewählte Regierungschef der Welt. Seine Zustimmungswerte unterschreiten sogar jene von Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan. Die Ursachen liegen laut unabhängigen Meinungsforschern nicht in äußeren Umständen, sondern in der Person selbst: mangelnde Glaubwürdigkeit, gebrochene Versprechen auf breiter Front, eine ausbleibende wirtschaftliche Erholung.
Wer ihn als den Mann gesehen hat, der Deutschland konservativ reformieren würde, wurde enttäuscht – durch einen Kanzler, der als Tiger antrat und als Bettvorleger landete.
Quellen: Morning Consult (April 2026), Forsa/RTL-Trendbarometer (31. März–14. April 2026), INSA, Ipsos, YouGov (10.–13. April 2026), Euronews (13. April 2026), NZZ (August 2025), ZDF Inside CDU, FDP/DVP-Fraktion Baden-Württemberg, Statista/Forschungsgruppe Wahlen, kreisbote.de
.webp&w=3840&q=75)


