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Fall Lorenz A.: Deutschlands George-Floyd-Moment?

Veröffentlicht am 27. April 20252 Min. Lesezeit424 Wörter

Boris von Morgenstern analysiert den Tod des Intensivtäters Lorenz A. und die Frage, ob dieser zum deutschen George-Floyd-Moment wird. Diskussion über Polizeigewalt-Vorwürfe und mediale Instrumentalisierung.

Video

In der Nacht zum Ostersonntag ist in der Oldenburger Innenstadt ein 21-jähriger Mann namens Lorenz A. von einem Polizisten erschossen worden. Der Beamte gab gegen 2.40 Uhr vier Schüsse mit seiner Dienstpistole ab. Laut einem Obduktionsbericht trafen drei Projektile Lorenz A. von hinten in Kopf, Oberkörper und Hüfte, am Oberschenkel erlitt er zudem einen Streifschuss. Nach dem Vorfall kam es zu bundesweiten Protesten gegen Polizeigewalt, unter anderem in Oldenburg selbst, wo ein Bündnis aus Angehörigen und Freunden von Lorenz A. zu einer Demonstration aufrief.

Nach Recherchen des SPIEGEL liegt eine Videoaufnahme aus einem nahegelegenen Geschäft vor, die das Geschehen im Vorfeld der Schüsse zeigt, allerdings nur schemenhaft. Demnach bewegt sich Lorenz A. auf den Polizeibeamten zu und wendet sich dann wieder ab, bevor die Schüsse fallen. Den Ermittlungen zufolge wurde der Beamte zuvor mit Reizgas besprüht und ging womöglich zu Boden, wobei er die Schüsse abgegeben haben könnte. Die eigentliche Schussabgabe ist auf der Aufnahme nicht zu erkennen. Ein Messer, das im Vorfeld eine Rolle gespielt haben soll, ist auf dem Video ebenfalls nicht sichtbar; Ermittler fanden es erst später als Klappmesser in der Hosentasche des Getöteten. Die Bodycam des 27 Jahre alten Beamten war zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung nicht eingeschaltet.

Vorgeschichte in der Diskothek

Vor den tödlichen Schüssen soll Lorenz A. versucht haben, in eine Diskothek in der Oldenburger Innenstadt zu gelangen, wurde dort aber laut mehreren Medienberichten wegen seiner Kleidung abgewiesen. Daraufhin soll er Sicherheitsmitarbeiter des Clubs mit Pfefferspray besprüht haben und geflüchtet sein. Die Sicherheitskräfte verfolgten ihn zunächst, gaben die Verfolgung aber auf, als er sie mit einem Messer bedroht haben soll. Eine Streifenwagenbesatzung entdeckte ihn kurz darauf in der Nähe. Lorenz A. erlag noch in der Nacht seinen Verletzungen in einem Oldenburger Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den schießenden Beamten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Totschlags ein, was in solchen Fällen üblich ist.

Rassismusvorwürfe und politische Reaktionen

In den vergangenen Tagen wurden massive Rassismusvorwürfe gegen die Oldenburger Polizei erhoben, teilweise ist von strukturellem Rassismus in den Reihen der Behörde die Rede. Der NDR beschrieb Lorenz A. als beliebten jungen Fußballer mit vielen Freunden in der Stadt. Nach SPIEGEL-Recherchen war er der Polizei jedoch bereits bekannt: Gegen ihn liefen Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte, Raub und Nötigung.

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach nach dem Obduktionsergebnis von schwerwiegenden Fragen und verheerenden Vorwürfen, warnte zugleich aber vor einer Vorverurteilung des Beamten. Die Polizei sucht derzeit nach weiteren Zeugen und möglichen Videoaufnahmen, um den genauen Ablauf der Ereignisse zu klären. Nach SPIEGEL-Angaben belegen die bisherigen Ermittlungen die Rassismusvorwürfe nicht, es gebe jedoch weiterhin offene Fragen zum Geschehen.

Originalbeitrag von Boris von Morgenstern

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