In der Nacht zum Ostersonntag erschoss ein Polizist in Oldenburg den 21-jährigen Lorenz A. mit fünf Schüssen, die alle von hinten trafen. Der Vorfall löste bundesweite Proteste gegen Polizeigewalt aus, wobei Demonstranten von einem "deutschen George-Floyd-Moment" sprechen und strukturellen Rassismus bei der Polizei anprangern.
Nach den bisherigen Ermittlungserkenntnissen war Lorenz A. zuvor an einer Diskothek abgewiesen worden, weil er eine Jogginghose trug. Daraufhin soll er Sicherheitskräfte mit Pfefferspray attackiert und sie mit einem Messer bedroht haben, bevor er flüchtete. Videoaufnahmen zeigen laut Spiegel-Recherchen, wie sich der 21-Jährige auf die Polizeibeamten zubewegte, diese mit Reizgas besprühte und sich dann wieder abwandte. Der betroffene Polizist sei zu Boden gestürzt und habe in dieser Situation die tödlichen Schüsse abgegeben.
Bei Lorenz A. wurde später ein illegales Klappmesser in der Hosentasche gefunden. Der junge Mann war der Polizei bereits bekannt - gegen ihn liefen Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte, Raub und Nötigung. Die Bodycam des beteiligten Beamten war zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht eingeschaltet.
Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten wegen des Verdachts des Totschlags eingeleitet, was bei solchen Fällen standardmäßig geschieht. Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sprach von "schwerwiegenden Fragen" und "verheerenden Vorwürfen", warnte jedoch gleichzeitig vor einer Vorverurteilung des Beamten. Kritiker bemängeln, dass solche Fälle nur dann zu breiten Protesten führen, wenn es sich um schwarze Opfer und weiße Polizisten handelt, während vergleichbare Vorfälle mit anderen Beteiligten weniger Aufmerksamkeit erhalten.
Originalbeitrag von Boris von Morgenstern


