
Der Entertainer Harald Schmidt hat sich in einem Interview mit dem Schweizer Sender SRF in der Sendung „Gredig direkt“ kritisch und mit ironischem Unterton zu Themen wie politischer Korrektheit, Gendersprache und dem Umgang mit Satire in der heutigen Zeit geäußert. Er ging dabei unter anderem auf Begriffe wie „Zismann“ oder „alter weißer Mann“ ein und erklärte, wie er mit solchen Zuschreibungen umgeht.
Schmidt sagte, sein Publikum habe sich über die Jahrzehnte kaum verändert und komme bewusst, um seine Art von Humor zu hören, wie sie es bereits seit den 1990er Jahren tue. Auf den Hinweis, die Zeitung „Die Welt“ habe geschrieben, die Hälfte seiner früheren Witze würde heute einen Shitstorm auslösen, entgegnete er, dass sich zwar die Zeiten geändert hätten, der eigentliche inhaltliche Kern von Aussagen aber gleich bleibe. Er zog den Vergleich, man müsse heute möglicherweise andere Formulierungen wählen, transportiere damit aber weiterhin dieselbe Botschaft.
Politisch korrektes Vokabular als Stilmittel
Schmidt erläuterte, er nutze politisch korrekte Begriffe bewusst und mit Genuss: Je korrekter er formuliere, desto größer sei seine Verachtung für die dahinterliegenden Konzepte. Als Beispiel nannte er den Begriff „heteronormativer heterosexueller Zismann“, den er auf sich selbst anwende. Auch mit der Bezeichnung „alter weißer Mann“ gehe er offensiv um: Nachdem er erkannt habe, dass der Begriff zu einer Art Marke geworden sei, habe er sich „an die Spitze der Bewegung“ gestellt, anstatt sich dagegen zu verteidigen.
Zur Frage, wie er sich informiere, sagte Schmidt, er verlasse sich nicht auf spezialisierte Websites, sondern auf die Hauptnachrichten, in denen seiner Ansicht nach alles Wesentliche bereits enthalten sei, wenn man auf Nebensächlichkeiten achte.
Rückzug aus dem Fernsehen
Auf die wiederkehrende Frage, ob er sich eine tägliche Late-Night-Show wünsche, antwortete Schmidt klar ablehnend. Der tägliche Aufwand sei ihm zu groß, zudem habe er keine Lust mehr, sich mit Sendern oder deren Verantwortlichen auseinanderzusetzen. Er verwies auf frühere Jahre beim Fernsehen, in denen Sender und Redakteure seine Arbeit unterstützt hätten, solange keine Klagen drohten, da alles durch die Meinungsfreiheit gedeckt gewesen sei.
Zum Umgang mit Interviewern, die versuchten, ihn nachzuahmen oder ihm ähnlich zu begegnen, sagte Schmidt, er lasse solche Versuche oft einfach ins Leere laufen, indem er nicht reagiere. Auf die Frage nach seinen liebsten Gesprächsformen antwortete er, am liebsten seien ihm eigene Monologe.
Video-Beschreibung
Harald Schmidt zeigt in diesem Interview einmal mehr, warum er für viele bis heute eine Ausnahmefigur ist. Mit trockenem Humor, scharfer Beobachtung und viel Gespür für Widersprüche spricht er über Satire, politische Korrektheit und den Zustand öffentlicher Debatten.
Besonders spannend: Seine Sicht auf neue Sprachregelungen, Begriffe wie „cis Mann“ und die Frage, wie man mit solchen Zuschreibungen umgeht. Statt sich zu verteidigen, dreht er das Spiel einfach um – und nimmt den Begriffen damit ihre Wirkung.
Auch beim Thema Satire wird es deutlich: Darf Humor heute noch anecken? Oder wird alles immer vorsichtiger, angepasster und damit auch harmloser?
👉 In diesem Video schauen wir uns die wichtigsten Aussagen an und ordnen sie ein.
📺 Quelle: SRF – „Gredig direkt“ (https://www.srf.ch/play/tv/gredig-direkt/video/mit-harald-schmidt-ueber-satire-zeitgeist-und-die-schweiz?urn=urn%3Asrf%3Avideo%3A9ee9866d-71cb-470d-9fa7-8e74bd6f3a9f)
Originalbeitrag von PolitikScharfsinn


