
Der CDU-Politiker Friedrich Merz gilt als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers, während Umfragen zufolge rund 70 Prozent der Deutschen ihn nicht direkt als Kanzler wählen würden. Angesichts seiner voraussichtlichen Machtübernahme rückt seine berufliche und persönliche Vergangenheit stärker in den Fokus, insbesondere seine langjährigen Verbindungen zur Wirtschaft und zum Vermögensverwalter BlackRock.
Merz wurde 1955 in Brilon im Sauerland geboren. Sein Großvater Josef Paul Sassenhausen, früherer Bürgermeister der Stadt, war Mitglied der NSDAP und trat nach Darstellung des Berichts bereits 1933 als Unterstützer Adolf Hitlers auf. Merz äußerte sich 2004 öffentlich über seinen Großvater und bezeichnete ihn als Vorbild, was in seinem Heimatort für Kritik sorgte.
Jugend und politischer Werdegang
In seiner Jugend wird Merz als rebellisch beschrieben, unter anderem wegen Regelverstößen in der Schule. Nach einem Schulwechsel, den sein Vater veranlasste, habe er sich stärker angepasst. Politisch positionierte er sich früh gegen linke Strömungen der 68er-Bewegung und gegen Reformen der Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt, etwa die Lockerung des Scheidungsrechts und die Entkriminalisierung von Homosexualität. Aus Protest gegen diese Politik trat Merz der CDU bei. Als politische Vorbilder nennt der Bericht die CDU-Politiker Alfred Dregger und Franz Josef Strauß.
Kontroverse politische Positionen
Als Bundestagsabgeordneter stimmte Merz 1997 gegen die Unterstrafestellung von Vergewaltigung in der Ehe. Zum Thema Homosexualität äußerte er sich in Bezug auf den damaligen Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit zurückhaltend. Auch bei der Cannabis-Legalisierung und beim Bürgergeld, dessen deutliche Kürzung er andeutete, positionierte er sich kontrovers, ruderte in mehreren Fällen später zurück.
Wirtschaftskarriere und BlackRock
Parallel zur politischen Laufbahn baute Merz eine Karriere als Wirtschaftsanwalt auf, unter anderem für die Ruhrkohle AG, für die er sich 2006 auf einer CDU-Veranstaltung für staatliche Subventionen einsetzte. Ab 2016 war er Aufsichtsratsvorsitzender von BlackRock Deutschland und zusätzlich für das europäische Geschäft des Unternehmens zuständig, das nach eigenen Angaben über zehn Billionen Euro verwaltet. Laut der Plattform LobbyControl bestand seine Aufgabe darin, Kontakte zwischen Wirtschaftsvertretern und Behörden beziehungsweise Politik zu vermitteln. Trotz dieser Tätigkeit stieg Merz innerhalb der CDU weiter auf und wurde schließlich Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat.
Der Bericht verweist zudem auf zwei Episoden, die als charakteristisch für Merz dargestellt werden: eine vergleichsweise geringe Spende bei einer Wohltätigkeitsgala für kranke Kinder sowie den Verlust eines ungesicherten Dienstlaptops mit sensiblen Daten im Jahr 2004, den ein Obdachloser ihm zurückbrachte.
Originalbeitrag von Wissenswert


