LINKE

Die besten Wahlhelfer der AfD sitzen ganz links

3 Min. Lesezeit691 WörterRedaktion

Keine Plakatkampagne nützt der AfD so verlässlich wie der militante Antifaschismus selbst: Die Verbotsforderung der Innenminister gegen de.indymedia zeigt, wie die radikale Linke das Opfernarrativ der AfD beglaubigt.

Die besten Wahlhelfer der AfD sitzen ganz links

Kommentar — Keine Plakatkampagne, kein Parteitag, kein Talkshow-Auftritt nützt der AfD so verlässlich wie der militante Antifaschismus selbst. Wer wissen will, warum die Partei von Umfragehoch zu Umfragehoch eilt, muss nur lesen, was die Szene über sich selbst veröffentlicht.

Es gibt eine Kampagnenmaschine, die für die AfD arbeitet, ohne dass die Partei dafür einen Cent bezahlt. Sie produziert Bilder von brennenden Barrikaden, veröffentlicht Bekennerschreiben zu Anschlägen und listet Adressen politischer Gegner auf. Sie heißt nicht Alternative für Deutschland. Sie nennt sich Antifaschismus.

Das Schaufenster dieser Szene ist die Plattform de.indymedia — jene Website, die das Bundesamt für Verfassungsschutz seit 2022 als gesichert linksextremistische Bestrebung führt. Die Begründung der Kölner Behörde liest sich wie ein Sündenregister: Auf der Plattform würden regelmäßig Bekennerschreiben, Gewaltaufrufe und Adressen mutmaßlicher politischer Gegner veröffentlicht; die Moderationskollektive löschten zwar Bombenbau-Anleitungen, ließen aber zahlreiche Tatbekenntnisse zu erheblichen Straftaten bewusst stehen. „In der Gesamtschau“, so der Verfassungsschutzbericht, lasse das Portal „eindeutig eine verfassungsfeindliche Linie erkennen“.

Im Juni 2026 zog die Innenministerkonferenz die Konsequenz: Einstimmig — alle 16 Länder, quer durch die Parteifarben — forderten die Innenminister Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, ein vollständiges Verbot der Plattform zu prüfen. Hessens Innenminister Roman Poseck nannte sie das „derzeit wichtigste Informations- und Propagandamedium der linksextremen Szene“. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Das Zentralorgan des selbsterklärten Antifaschismus ist in der Bewertung des deutschen Staates dort angekommen, wo einst linksunten.indymedia stand — die Vorgängerplattform, die 2017 verboten wurde und deren Verbot das Bundesverwaltungsgericht 2020 bestätigte.

Der Spiegel, in den niemand schauen will

Die Ironie könnte bitterer nicht sein. Eine Bewegung, die angetreten ist, den Faschismus zu bekämpfen, bedient sich jener Methoden, die sie ihren Gegnern vorwirft: Einschüchterung politischer Gegner, Gewalt als legitimes Mittel der Auseinandersetzung, Feindeslisten, die Rechtfertigung von Angriffen auf Journalisten. Wer sich selbst zum Antifaschisten erklärt und zugleich Reporter attackiert, weil sie für das „falsche“ Medium arbeiten — wie zuletzt beim AfD-Bundesparteitag in Erfurt geschehen, wo Journalisten von Apollo News angegriffen wurden —, der hat das Wesen dessen, was er zu bekämpfen vorgibt, besser verinnerlicht als jeder seiner Gegner.

Und genau hier liegt der Wahlkampfwert für die AfD. Die Partei muss ihr zentrales Narrativ — wir sind die Verfolgten, der Staat und die Straße stehen gegen uns — gar nicht mehr selbst erzählen. Die Szene liefert die Belege frei Haus. Jede blockierte Parteitagshalle, jeder angegriffene Delegierte, jeder attackierte Reporter, jedes Bekennerschreiben ist eine Spende an die AfD-Kampagnenkasse, verbucht unter: Opferrolle, beglaubigt durch den politischen Gegner.

Die Mitte schaut zu — und zieht ihre Schlüsse

Der bürgerliche Wähler, um den alle Parteien ringen, ist kein Ideologe. Er sieht Bilder. Er sieht auf der einen Seite eine Partei, die Parteitage abhält, wie es ihr verfassungsmäßiges Recht ist — und auf der anderen Seite Vermummte, die genau das mit Gewalt verhindern wollen. Er sieht Regierungen, die linke Gewalt oft genug mit gedämpfter Stimme kommentieren, während jede rechte Straftat — völlig zu Recht — mit voller Lautstärke verurteilt wird. Diesen Doppelstandard registriert die Mitte sehr genau. Und sie zieht ihre Schlüsse an der Wahlurne.

Man kann es der AfD nicht einmal vorwerfen: Sie muss für diesen Effekt nichts tun. Der militante Antifaschismus hat ein Geschäftsmodell entwickelt, dessen Hauptprofiteur ausgerechnet die Partei ist, deren Verbot er fordert. Wäre die Szene ein bezahlter Dienstleister, die AfD müsste ihr Erfolgshonorar zahlen.

Wer der AfD wirklich schaden wollte, wüsste, was zu tun ist: argumentieren statt blockieren, überzeugen statt vermummen, den politischen Gegner stellen statt seine Journalisten zu jagen. Solange die radikale Linke das Gegenteil tut, bleibt sie, was sie ist — die verlässlichste Werbeagentur, die diese Partei je hatte. Honorarfrei, hochmotiviert und von der eigenen moralischen Überlegenheit so überzeugt, dass sie den Spiegel nicht einmal bemerkt, den sie der Republik vorhält.

Zur Einordnung: Die Antifa-Szene und Bündnisse wie „Widersetzen“ verstehen ihre Aktionen als legitimen zivilen Widerstand gegen eine Partei, die der Verfassungsschutz in mehreren Ländern als gesichert rechtsextremistisch einstuft; sie verweisen darauf, dass die Zahl rechtsextremer Straf- und Gewalttaten in den Statistiken deutlich über der linksextremer liegt. Die Einstufung von de.indymedia ist dem Verfassungsschutzbericht entnommen; die Verbotsforderung der Innenministerkonferenz datiert von Juni 2026 (Quellen: BfV, dpa, Telepolis). Ob ein Verbot rechtlich Bestand hätte, ist unter Juristen umstritten.

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