
Deutsche Entwicklungsgelder für den Bau von Radwegen und Bussystemen in Peru stehen im Zentrum einer aktuellen Recherche vor Ort. Im Rahmen des Projekts flossen laut den vorliegenden Angaben 44 Millionen Euro als nicht rückzahlbare Zuschüsse sowie weitere 155 Millionen Euro als Kredite über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie die KfW-Bank nach Peru. Mit dem Zuschuss sollten demnach 114 Kilometer Radwege finanziert werden, was rechnerisch einem Betrag von rund 385.000 Euro pro Kilometer entspricht. Das Bundesentwicklungsministerium erklärte auf Anfrage, an dem Projekt trotz Kritik festzuhalten, da es einen Beitrag zur CO2-Einsparung leiste.
Bei der Kreditvergabe über die KfW-Bank ergibt sich laut der Recherche ein struktureller Vorteil für Peru: Da das Land international als Hochrisikostaat mit entsprechend hohen Zinssätzen von sechs bis sieben Prozent eingestuft wird, Deutschland sich aufgrund seiner Bonität hingegen deutlich günstiger refinanzieren kann, ermöglicht die Bundesrepublik Peru über die KfW einen Kredit zu einem Zinssatz von 0,5 bis 1,5 Prozent. Die Differenz zwischen dem eigenen Refinanzierungszins und dem an Peru weitergereichten Zinssatz trage letztlich der deutsche Steuerzahler. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Deutschland Peru bereits in der Vergangenheit Schulden in Höhe von rund 300 Millionen Euro erlassen habe und auch bei den aktuellen Krediten keine Garantie bestehe, dass diese vollständig zurückgezahlt werden. Peru verfüge zudem über vergleichsweise günstige Kreditkonditionen, etwa die Möglichkeit, Tilgungs- und Zinszahlungen zeitweise auszusetzen.
Vor Ort wurde der Zustand der mit deutschen Geldern finanzierten Infrastruktur überprüft. Anhand einer vom Entwicklungsministerium veröffentlichten Karte, die zwischen bereits bestehenden, in Arbeit befindlichen und fertiggestellten Radwegabschnitten unterscheidet, wurden mehrere Streckenabschnitte begutachtet. Dabei zeigten sich an einigen Stellen keine erkennbaren neuen Radwege, während an anderen Orten fertiggestellte Abschnitte mit einer Breite von rund 2,20 Metern und einer Länge von etwa 870 Metern vorgefunden wurden. Die verwendete Markierungsfarbe wurde als einfache, nicht reflektierende Farbe beschrieben, wie sie auch für gewöhnliche Bordsteinmarkierungen in der Stadt genutzt wird. An mehreren Stellen endeten die Radwege abrupt inmitten bereits vollständig bebauter oder asphaltierter Bereiche.
Befragte Anwohner und Passanten äußerten sich unterschiedlich zu dem Projekt. Mehrere Personen zeigten sich positiv gegenüber der finanziellen Unterstützung aus Deutschland und befürworteten eine Ausweitung auf weitere Stadtteile, insbesondere auf Gebiete außerhalb wohlhabenderer Bezirke wie Miraflores. Gleichzeitig äußerten einige Befragte Kritik an der Umsetzung und bezeichneten die Bauausführung als mangelhaft. Auch das mit einem Teil der Kreditgelder finanzierte Bussystem wurde in der Recherche getestet; dabei zeigte sich zeitweise eine hohe Auslastung der Busse, sodass ein Zustieg nicht immer möglich war.
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Quellen und Infos:
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-BMZ Webseite:
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-Aktueller Zins auf peruanische Staatsanleihen:
-Peruanische Regierung:
Originalbeitrag von Aktien mit Kopf