
Ein deutscher YouTuber, der unter dem Namen „Aktien mit Kopf“ auftritt, hat in einem Video den Verbleib deutscher Entwicklungsgelder in Peru untersucht. Anlass ist ein Radwege-Projekt in der Hauptstadt Lima, für das Deutschland dem südamerikanischen Land nach eigenen Angaben 44 Millionen Euro als nicht rückzahlbaren Zuschuss zur Verfügung gestellt hat. Zusätzlich seien 155 Millionen Euro in Form eines zinsvergünstigten Kredits für den Ausbau von Bussystemen geflossen. Zur Aufklärung reiste ein Reporter des Kanals nach Lima, um die Radwege vor Ort zu begutachten und mit Anwohnern sowie Bauarbeitern zu sprechen.
Laut dem Video handelt es sich bei den 44 Millionen Euro um einen Zuschuss über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie die KfW-Bank, mit dem rund 114 Kilometer Radweg finanziert werden sollten – umgerechnet etwa 385.964 Euro pro Kilometer. Zum Vergleich zieht der Video-Ersteller Kosten für vergleichbare Radweginfrastruktur in Frankfurt heran, die dort mit 300.000 bis 400.000 Euro pro Kilometer sowie deutlich günstigeren Pop-up-Radwegen für 30.000 bis 60.000 Euro angegeben werden.
Kritik an Kreditkonditionen
Besonders kritisch bewertet das Video die Konditionen des zusätzlichen 155-Millionen-Euro-Kredits. Da Peru am internationalen Kapitalmarkt aufgrund eines schlechteren Ratings Zinsen von sechs bis sieben Prozent zahlen müsste, verschaffe Deutschland dem Land über die als besonders kreditwürdig eingestufte KfW-Bank einen Zinssatz von lediglich 0,5 bis 1,5 Prozent. Deutschland selbst müsse sich das Geld am Markt zu rund drei Prozent beschaffen, wodurch eine Zinsdifferenz entstehe, die letztlich von deutschen Steuerzahlern getragen werde. Zudem verweist das Video auf einen früheren Schuldenerlass Deutschlands gegenüber Peru in Höhe von 300 Millionen Euro und darauf, dass Peru für die aktuellen Kredite auch Zahlungspausen bei Zins und Tilgung in Anspruch nehmen könne.
Zustand der Radwege vor Ort
Bei der Besichtigung vor Ort habe der Reporter Abschnitte gefunden, die laut offizieller Karte des Entwicklungsministeriums als mit deutschen Geldern fertiggestellt markiert waren, an denen jedoch keine erkennbaren Radwege vorhanden gewesen seien. An anderen Stellen seien Radwege mit einer Breite von rund 2,20 Metern und einer Länge von 870 Metern vorgefunden worden, deren Markierungsfarbe nach Einschätzung des Reporters von minderer Qualität sei und nicht mit reflektierender Farbe vergleichbar sei, wie sie in Deutschland verwendet werde. Befragte Anwohner und Radfahrer äußerten sich im Video überwiegend positiv zu den Radwegen an sich, kritisierten teils aber deren praktische Umsetzung; einige Befragte gaben zudem an, von der deutschen Finanzierung zuvor nichts gewusst zu haben. Das Bundesentwicklungsministerium bekräftigte laut dem Video in einer Stellungnahme, das Projekt trotz der Kritik fortführen zu wollen.
Video-Beschreibung
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Auf den Spuren der Deutschen Steuergelder in Peru!
Quellen und Infos:
-Fahrradverleih - Peru, Lima:
-Lied (Grün grün grün sind alle meine Kleider):
-Svenja Schulze Interview:
-BMZ Webseite:
-KfW-Stellungnahme:
-Deutsche Kredite an das Ausland:
-Erlassene Schulden deutscher Kredite:
-Aktueller Zins auf peruanische Staatsanleihen:
-Peruanische Regierung:
Originalbeitrag von Aktien mit Kopf
