
Elon Musk hat angekündigt, mit seinem Unternehmen xAI ein neues Online-Lexikon namens „Grokipedia“ zu entwickeln, das als Konkurrenzprojekt zu Wikipedia positioniert werden soll. Ziel sei es, eine aus seiner Sicht verbesserte, frei zugängliche Wissensdatenbank ohne die Einschränkungen von Wikipedia zu schaffen. Der Vorstoß knüpft an eine seit längerem geäußerte Kritik an, wonach Wikipedia in der Bearbeitung von Inhalten eine politische Schlagseite aufweise. Der Wikipedia-Mitgründer Larry Sanger hatte die Plattform in einem Interview mit dem Moderator Tucker Carlson als die „umfassendste Propagandaoperation der menschlichen Geschichte“ bezeichnet. Auch David Sacks, ein Geschäftspartner Musks und ehemaliger Mitgründer von PayPal, äußerte sich kritisch und sprach von einer „hoffnungslos voreingenommenen“ Enzyklopädie, deren Biografien von einer „Armee linker Aktivisten“ gepflegt würden. Er verwies zudem auf die Bedeutung Wikipedias als häufig erstplatzierte Quelle in Google-Suchergebnissen und als Trainingsgrundlage für KI-Modelle.
Als Beispiel für eine mutmaßlich einseitige Darstellung wird in der Debatte häufig der Umgang mit Biografien von Politikern verschiedener Parteien angeführt, wobei kritisiert wird, dass kontroverse Abschnitte bei manchen Politikern ausführlicher behandelt würden als bei anderen. Auch der Umgang mit dem Artikel über den Tod von Irina Zarutska wird in diesem Zusammenhang thematisiert, da es dort Diskussionen über dessen Relevanz und mögliche Löschung gegeben habe. Die EU-Kommission hat unterdessen angekündigt, jüngste umstrittene Äußerungen des von xAI entwickelten Chatbots Grok in laufende Ermittlungen gegen die Plattform X einzubeziehen.
Parallel zu der Debatte um Wikipedia sorgte eine Kampagne gegen den Streaminganbieter Netflix für Aufsehen. Nutzer kritisierten bestimmte Kinderserien und warfen dem Unternehmen vor, ideologische Inhalte zu verbreiten. Musk teilte entsprechende Beiträge und rief öffentlich zur Kündigung von Netflix-Abonnements auf, was eine Welle von Kündigungen und entsprechenden Beiträgen auf der Plattform X auslöste. Die Netflix-Aktie verzeichnete in den vergangenen Tagen einen Kursrückgang von rund fünf Prozent. Ähnliche Boykottaufrufe hatte es zuvor bereits gegen ein Restaurantunternehmen gegeben, das nach öffentlichem Druck ein zuvor geändertes Logo wieder zurückänderte.
Die Kontroversen um Wikipedia und Netflix werden von Beobachtern als Teil einer wachsenden gesellschaftlichen Debatte über weltanschauliche Neutralität von Medien- und Wissensplattformen sowie über die Reichweite sogenannter Cancel-Culture-Phänomene über politische Lager hinweg gewertet.
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Originalbeitrag von Aktien mit Kopf